03.10.2007 | Vor Ort
Wie viele Moscheen verträgt Wiesbaden?
Jeder zehnte Bewohner Wiesbadens ist ein Muslim. Das entspricht rund 27.000 Menschen, die auch Orte zum Beten brauchen. Darin waren sich alle Gesprächspartner auf dem Podium des Wiesbadener Tagblatt Talks im Pariser Hoftheater. Aber wie viele Moscheen sind nötig und akzeptabel? Welche Bedeutung hat die Wiesbadener Integrationsvereinbarung? Diese Fragen stellten die Moderatoren den vier Experten und dem Publikum.
"Mir sann mir!", meinte ein bayerischer Muslim und appellierte damit an die Muslime, die in Deutschland leben, sich zu integrieren und selbstverständlicher Teil der deutschen Gesellschaft zu werden. Er erntete viel Applaus. Aber was Integration für den Einzelnen oder für verschiedene Organisationen bedeutet, darüber herrscht immer noch Diskussionsbedarf. Kristina Köhler begrüßte deshalb die Wiesbadener Integrationsvereinbarung, weil hier zum ersten Mal eine Kommune festgelegt hat, was sie unter Integration versteht, und welche Anforderungen sie an die hier lebenden Migranten stellt. Said Nasri, Vorsitzender der AIGW Wiesbaden, bedauerte, dass der türkische Religionsverband Ditib die Vereinbarung nicht mit der AIGW unterzeichnen wird. Er plädierte für eine muslimische Ökumene. Nicht jede Glaubensgemeinschaft brauche eine eigene Moschee, gab er zu bedenken. Um Widerstand in der Bevölkerung beim Moscheebau zu verringern sprach er sich auch für mehr Gesprächsangebote muslimischer Organisationen im Vorfeld aus: "Wir brauchen die Baugenehmigung der Bevölkerung, nicht nur die der Stadt!"

Auf die Frage, warum Wiesbaden Milli Görüs, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden , erlaube, einen Gebetsraum einzurichten, wand Köhler ein, dass Baurecht kein Gesinnungsrecht sei. Wenn alle Anforderungen des Baurechts erfüllt seien, habe die Stadt keine andere Wahl. Sie appellierte aber wiederum an Milli Görüs und andere muslimische Organisationen, extremistische Mitglieder auszuschließen.
Probst Sigurd Rink forderte einen Trialog christlicher, muslimischer und jüdischer Organisationen, um möglichen antisemitischen Strömungen entgegen zu wirken.
Köhler befürwortete auch die Einführung eines muslimischen Religionsunterrichts in deutschen Schulen von in Deutschland ausgebildeten Imamen, auf Deutsch und nach Lehrplänen, die mit dem Kultusministerium abgestimmt sind.
Auf die Frage, warum es in der Integrationsvereinbarung Sonderregelungen für Frauen gebe, antwortete Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller, es werde nur erhalten, was schon existiere, z. B. der Frauenbadetag. Kristina Köhler wünschte sich daraufhin eine "muslimische Alice Schwarzer", die innerhalb der muslimischen Gemeinschaft für die Rechte und die Gleichberechtigung muslimischer Frauen kämpfe.
Daraufhin entbrannte eine lange Diskussion über die Bedeutung und die Akzeptanz des Kopftuchs bei deutschen öffentlichen und privaten Arbeitgebern.
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