15.03.2007 | Unterwegs

Aufruf zur Bewerbung für das Förderprogramm Mehrgenerationenhaus

In den nächsten vierzig Jahren wird sich die Zahl der über 80-jährigen Menschen voraussichtlich verdreifachen. Viele von ihnen werden kinderlos sein, skizzierte Dr. Doris Jentsch, Beauftragte für Demografie der CDU-Rathausfraktion, die demografische Entwicklung Wiesbadens. Die Folgen: Verwandtschaftliche Netzwerke werden kleiner, es fehle an familiärer Unterstützung vor Ort. Zudem hätten dann immer weniger Ältere oder auch Jüngere Kontakt mit der jeweils anderen Generation. Einzelne Generationen drohten zu isolieren, sagte die Wiesbadener Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler. Der Bund habe 2006 das "Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser" initiiert, um die Vorteile familiärer Netzwerke zu bewahren, zu stärken und in eine moderne Lebensform zu übertragen.

Der Bund fördert je ein Mehrgenerationenhaus in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt in den nächsten fünf Jahren mit bis zu 200.000 Euro. Zudem sollen bestehende und neue Einrichtungen regionale Netzwerke bilden, sagte Köhler. Köhler rief private, kirchliche und öffentliche Träger auf, sich für die Fördermittel zu bewerben. Rund 30 Einrichtungen, Entscheidungsträger und Interessierte informierten sich beim CDU-Rathausgespräch über die Ziele, Bewerbungskriterien und -ablauf.

Andreas Guntrum erweiterte den Blick auf demografische Entwicklung in einzelnen Stadtbezirken, da z.B. im Parkfeld schon jetzt rund ein Drittel der Bewohner über 60 Jahre sind. Mehrgenerationenhäuser müssten daher nachhaltig geplant und in die Stadtteilplanung eingebunden werden.

Angebote in Mehrgenerationenhäusern
Mehrgenerationenhäuser sollen Orte sein, an denen sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene bis ins hohe Alter in einem Café begegnen, ältere Menschen Schülern bei den Hausaufgaben helfen oder in Werkstätten praktisches Wissen weitergeben, wo Kinder betreut werden oder Bildungskurse stattfinden. Gleichzeitig sollen es Orte sein, wo Menschen und Unternehmen Dienstleistungen anbieten und nachfragen können. Das Aktionsprogramm fördert auch einen neuen Markt an haushaltsnahen Dienstleistungen, der auf die Bedürfnisse aller Generationen eingeht. An diesem Treff- und Marktplatz können sich Schulen, Vereine, Bibliotheken und andere kommunale Einrichtungen beteiligen.

Bewerbung um Fördermittel
Das Aktionsprogramm fördert generationenübergreifende Treffpunkte, die sieben Mindestkriterien erfüllen müssen. Dazu zählen generationenübergreifende Angebote für alle Altersstufen, Kinderbetreuung, gleichberechtigte Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen, Einbeziehung der lokalen Wirtschaft und eine offene Cafeteria. Einrichtungen, die z. B. Angebote für Migranten haben oder Kooperationen mit Kultur- und Bildungseinrichtungen vor Ort gehen, verbessern darüber hinaus ihre Bewerbungschancen.

Generationenübergreifende Wohnprojekte können sich bewerben, wenn sie zusätzlich die oben genannten Kriterien erfüllen. Baumaßnahmen werden nicht gefördert.

Köhler und Jentsch motivierten interessierte Einrichtungen und Träger in Wiesbaden, sich in der zweiten Ausschreibungsphase vom 16.April bis 11. Mai 2007 zu bewerben. Nähere Infos sowie das Bewerbungsformular bietet die Internetseite www.mehrgenerationenhaeuser.de.

"Zenja - Mehrgenerationenhaus in Langen
Monika Maier-Luchmann vom Langener Zentrum für Jung und Alt (Zenja) schilderte sehr enthusiastisch das Langener Konzept und die Erfahrungen bei der Entstehung von ZenJa sowie bei der Bewerbung um Fördermittel. Sie betonte die wesentlichen Merkmale eines MGH: Offenheit für Veränderungen, Austausch und Netzwerk zwischen den MGHs sowie niederschwellige Angebote für Jeden. Im Langener Projekt sehen sich die Haupterwerbstätigen im Dienste der Ehrenamtlichen, so Maier-Luchmann.

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