Dr. Kristina Schröder

Direkt gewählte Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Wiesbaden
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Wiesbaden
Das Parlamentarische Patenschafts-Programm - Kim Zeiner

Kristina Schröder betreute im Rahmen des Parlamentarischen Patenschafts-Programms im Zeitraum August 2006 bis Juni 2007 die Wiesbadener Schülerin Kim Zeiner. In regelmäßigen Abständen berichtete sie über ihre Erlebnisse und Eindrücke in den USA:

September 2006: Röcke müssen den Flamingo-Test bestehen

Ja, vor zwei Wochen kam ich nach 24 Stunden Reise müde und fertig in Valdosta/ Georgia an. Dort hat mich meine Gastfamilie schon mit Plakaten "Welcome Kim in Florida" erwartet. Ich wurde sehr herzlich empfangen und meine Gastgeschwister haben mich sofort mit Fragen bombadiert. Nach circa einer Stunde Fahrt kamen wir in meinem zukünftigen zu Hause in Lake City/ Florida an. Ich wohne mit meiner Gastfamilie auf dem Land, in einem "mobile home". Rund um unser Haus sind Wiesen und Wälder, alles ist grün. Wir haben 4 Hunde und einen riesigen Garten mit einem "Pool", der eher ein großes Plantschbecken ist. Das Klima ist sehr ungewohnt: sehr warm und schwül.

Der Flamingo-Test und andere Regeln...

Gleich am zweiten Tag in den USA besuchte ich zum ersten Mal meine neue Schule und wurde gleich verwarnt: Mein Rock wäre zu kurz (er ging bis kurz übers Knie). Ich hatte am Morgen noch meine Gastschwester gefragt und sie meinte, solange ich normal stünde und meine Fingerspitzen nicht über das Rockende reichten, sei die Länge OK. Allerdings war diese Regel nicht mehr gültig. Röcke müssen jetzt den "Flamingo-Test" bestehen, das heißt, der Rock muss die Wade des um 90° angewinkelten Beins berühren. Nach einigem Hin und Her habe ich dann eine Ausnahmegenehmigung für den Tag erhalten. Ab jetzt trage ich nur noch lange Jeans, wie alle Mädchen hier.

Amerikanischer Unterricht ist einseitiger als in Deutschland

Nach dieser ersten Unannehmlichkeit hab ich meine Fächer gewählt: Englisch, Mathe, Geschichte und Spanisch und dann gleich mit dem Unterricht begonnen. Man hat jeden Tag seine 4 Fächer in der gleichen Reihenfolge - mehr kann man leider nicht belegen. Im Gegensatz zu Deutschland ist das doch recht einseitig. Eine Unterrichtseinheit, "classes", dauert eineinhalb Stunden. Nach zwei "classes" habe ich dann eine halbe Stunde "lunch-time". Es war ein bisschen schwer im Unterricht mitzukommen, da Schule in einer Fremdsprache doch etwas Anderes ist.

Regeln, Regeln, Regeln...

Nach Schulende, um 15.00 Uhr, fahre ich ca. eine Stunde mit dem Schulbus nach Hause. Auch hier hab ich wieder etliche Regeln gebrochen, vom Benutzen meines Handys, über Essen im Bus, bis hin zum Überqueren der Straße ohne auf das Zeichen der Busfahrerin zu achten. Ja die vielen, meist unnützen Regeln sind schon ungewohnt. Wenn man das alles zusammen nimmt, spüre ich von "dem Land der Freiheit – USA" recht wenig. Auf mich wirkt es eher wie ein total von der jeweils höheren Institution kontrollierter Staat. Das fängt damit an, dass die Eltern ihren Kindern völlig überflüssige Regeln aufdrängen, und endet bei Regeln in der Schule, zu denen die Kleiderordnung oder die Toilettenregel gehört (Wenn man auf Toilette muss, wird die Uhrzeit, wenn man den Raum verlässt und wiederkommt, vom Lehrer aufgeschrieben.)

Das Leben auf dem Land

Zum Thema Busse... Also es gibt hier nur die Schulbusse, die morgens zur Schule und nachmittags zurück fahren. Wenn ich nach der Schule irgendwo hin möchte, müssen mich meine Gasteltern fahren oder Freunde holen mich ab. Es gibt für mich keine Möglichkeit von zu Hause wegzukommen, weil ich ja kein Auto fahren kann. Das ist der Nachteil vom Leben auf dem Land.

Positive Erfahrung: Offenheit der Menschen und nette Gastfamilie

Ich habe auch positive Erfahrungen gemacht. Ich habe schnell Freunde in der Schule gefunden. Das hat mir stark über mein Heimweh hinweggeholfen. Seit ich jetzt Freunde habe und Sport mache (Fußball bzw. Soccer spielen) komme ich immer besser zurecht.

Ach ja zu meiner Gastfamilie noch ein paar Worte: Ich habe eine Gastschwester, Jessica (9) und einen Gastbruder, Trevor (8). Trotz der Altersunterschiede komme ich mit beiden sehr gut zurecht. Am Anfang hatte ich meine Bedenken, weil ich mein Zimmer mit Jessica teilen muss, was überraschend gut funktioniert.

Auch mit meinen Gasteltern verstehe ich mich gut. Sie sind zwar strenger als meine richtigen Eltern, aber ich komme gut mit ihnen aus, und kann auch über Probleme reden. Darüber bin ich glücklich, weil nicht jedes Familienklima so gut ist.

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Oktober 2006: Meine Schwimmkarriere in den USA

Sport ist für mich ein Muss - vor allem bei dem kalorienreichen Essen hier in den USA. Statt Judo kann ich jetzt mich jetzt beim Schwimmen austoben – und neue Freunde finden.

Angefangen hab ich mit Schwimmen schon in Deutschland als ich klein war. Ich hab es lange Zeit als Wettkampfsport betrieben, bis ich mich zwischen Judo und Schwimmen entscheiden musste, da beides zu trainingsintensiv war. Ich hab mich für Judo entschieden und mit Schwimmen ganz aufgehört.

Da meine Highschool kein Judo anbietet, aber Schwimmen, dachte ich mir, dass ich es ja mal wieder versuchen könnte. Also hab ich mich 2 Wochen nachdem ich hier angekommen bin, dafür angemeldet. Die Schwimmsaison war zwar schon zur Hälfte vorbei, aber ich wurde trotzdem total herzlich aufgenommen. Ab jetzt hieß es viermal die Woche nach der Schule zwei Stunden Schwimmtraining.

Nach der ersten Woche war ich geplagt von Muskelkater, aber sehr froh endlich Sport machen zu können, um die Ernährung auszugleichen.

Meinen ersten Wettkampf hatte ich einen Tag nach meinem ersten Training. Man schwimmt immer in der Mannschaft gegen das Team einer anderen Highschool. Wir haben gewonnen und ich habe sehr gut abgeschnitten. Meine Trainerin und meine Trainingskameraden gaben mir den Namen "Deutschland Nr. 1" und waren begeistert, wie gut ich geschwommen bin.

Auch die folgenden Schwimmwettkämpfe liefen super und ich war überrascht, dass ich direkt so gut ins Team integriert wurde. Ich habe durchs Schwimmen viele neue Leute kennen gelernt und sehr gute Freunde gefunden.

Allgemein läuft ein Schwimmwettkampf zwischen Highschools anders ab, als die Wettkämpfe, die ich in Deutschland mit geschwommen bin. Der erste Unterschied natürlich: Hier ist alles viel kleiner. Das hat zur Folge, dass die Regeln und Disqualifikationen hier nicht wirklich ernst genommen werden. Der Spaßfaktor ist hier wichtig.

Ein typischer Ablauf für einen Wettkampf: Man schwimmt sich mit seinem Team ca. 20 min ein, d.h. aufwärmen. Dann fängt das "meet" an, dauert ca. eineinhalb Stunden. Man kann höchstens 4 Strecken schwimmen, ich schwimm immer in den zwei Freistil Staffeln, in der Lagen Staffel und 50m Freistil. Man hat höchstens 15 min Pause zwischen seinen Strecken. Wenn der Wettkampf außerhalb, also in einer anderen Highschool ist, wird das ganze Team mit dem Schulbus dorthin transportiert.

Letzte Woche hatten wir dienstags und donnerstags um 5.30 Uhr morgens Training. Das hieß für mich um 4.30 Uhr aufstehen, da ich eine halbe stunden von Live Oak, wo sich meine Schule befindet, entfernt wohne. Ziemlich müde kamen wir alle dann zum größten Teil sogar pünktlich morgens am Freiluft Pool an. Dann hieß es ins kalte Wasser springen, bei 12°C Außentemperatur. Das war ein Härtetest. Obwohl der Pool geheizt wurde, war das Wasser eisigkalt. Einen Vorteil hatte es, wir wurden wach!

Nach dem Training bekamen wir gratis Frühstück und dann mussten wir auch schon in die Schule und unsere Examen schreiben. Letzte Woche war nämlich das Ende der ersten 9-Wochen Periode. Man schreibt dann in jedem von seinen 4 Fächern ein Examen über alles, was man in den letzten 9 Wochen gemacht hat. Nach der Schule, um 3 Uhr, war ich total fertig und müde und hab erstmal geschlafen.

Das frühe Schwimmtraining diente zur Vorbereitung auf die "Districts", die nächste Woche anstehen. Das ist ein großer Qualifikationswettkampf, auf den wir die ganze Zeit hintrainiert haben. Wenn wir gut schwimmen, können wir zu den "Regionals" kommen, das wäre dann noch eine Stufe größer. Ich bin schon ein bisschen aufgeregt. Ich denke mal, dass "districts" dann schon eher so, wie die Wettkämpfe in Deutschland sein wird.

Mal sehen wie es läuft.

Bis bald

Kim

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November 2006: Ein turbulenter Monat und eine Lektion fürs Leben

Gesellschaftliche Trennung nach Hautfarbe im Süden der USA noch spürbar

Schule und Sport laufen nach wie vor gut: Schule wie erwartet "easy", Sport zieht im Moment richtig an. Die Fußballsaison hat letzten Monat angefangen, und ich bin nun jeden Tag nach der Schule zwei Stunden auf dem Feld zum Trainieren. Dazu kommen 2-3 Spiele pro Woche. Die sind meist gegen 19 Uhr abends – ´mal im Heimstadion, wo kürzlich noch die Footballer ihre "games" hatten, ´mal auswärts. Unser Team, die "Lady Bulldogs", hat bis jetzt mit einer Ausnahme jedes Spiel gewonnen, was bestimmt auch mit der starken Unterstützung des Jungsteams zu tun hat. Bei jedem Heimspiel werden wir kräftig angefeuert ... Demnächst stehen nun auch größere "Tournaments" bevor, deshalb wird fleißig trainiert. Was auffällig ist: Nur Weiße spielen Fußball, hingegen spielen nur Schwarze Basketball. Hier merkt man wieder die gesellschaftliche Trennlinie nach Hautfarbe, die für den Süden der USA immer noch gravierend spürbar ist.

Sich als Jugendliche gegen Erwachsene auflehnen – in den USA ein Tabu

Ich habe mich rund um die Schule herum gut in den Sport und Freundeskreis eingefunden, denn das Schulleben ist für Jugendliche hier der Nabel der Welt. Das kann aber auch zum Problem werden, wenn man nämlich mit seiner Familie zu weit ab vom Schuss lebt. Von Lake City, wo ich bis vor kurzem bei meiner ersten Gastfamilie gelebt habe bis Live Oak, meinem Schulort, sind es 30 Minuten einfache Fahrzeit. Dieser Fahraufwand in Verbindung mit meinem starken sportlichen Engagement hat sich zunehmend als Belastung auf die Atmosphäre in meiner Gastfamilie ausgeübt: Training, Spiel, Training, Spiel, und immer wieder gefahren werden müssen, weil es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt...

Deshalb hat mir meine Soccertrainerin vor zwei Wochen ganz spontan das Angebot gemacht, zu ihr oder einer anderen Familie zu ziehen, deren Töchter auch im Fußballteam spielen. Sie wollte die Situation vereinfachen, da sie gemerkt hat, dass auch ich mit meiner Situation zunehmend unglücklicher wurde. Für mich als aktive Person, die viel Sport macht und Freunde trifft, ist es einfach viel unkomplizierter in der Stadt zu leben, wo die Schule liegt. Auch ist es für meine erste Gasfamilie nun leichter, weil meine ehemalige Gastmutter nur noch unterwegs war, um mich herumzufahren (auch sie wurde immer unzufriedener). Dass sie das immerhin 3 Monate gemacht habe, finde ich natürlich toll und bin ihr auch sehr dankbar dafür.

Viele Tränen, Ärger, aber auch Solidarität

Auf dem Fußballplatz kam es zu einer Diskussion, ob ich nicht die Familie wechseln könne. Das Ganze ist dann aber entgleist. Meine Gastfamilie, vor allem mein Gastvater, hat anders reagiert, als ich es erwartet hatte. Die Gastfamilien haben ein starkes Netzwerk untereinander und mit der Area Representative. Seine Gefühle waren verletzt, denn er hat das wohl als Gesichtsverlust empfunden in der kleinen Welt hier, wo jeder jeden trotz der großen Entfernungen kennt. Resultat: Komplikationen und ein ziemlich schwieriges Wochenende, an dem viele Tränen geflossen sind. Was mir auch vor Augen geführt wurde: In den USA beugt man sich als Jugendlicher der Autorität der Erwachsenengemeinschaft. Man hat hier nicht die Freiheiten, die wir aus Deutschland kennen. Gottlob gibt es heutzutage Handys und email. So konnten mir meine Eltern und GIVE, meine Austausch-Organisation in Deutschland, helfen. Darüber hianus bekam ich Unterstützung und spontane Gastfreundschaft angeboten von einer neuen Familie, deren beide Töchter ich vom Fußball kannte. Nach einer Woche hatte Elke Kleber, meine erfahrene Betreuerin von GIVE, die favorisierte Lösung "erkämpft": Ich durfte zu meiner neuen Gastfamilie und wurde nicht 'strafversetzt' zur offenbar sehr strengen Area Rep, wie man seitens der Organisation auf amerikanischer Seite zunächst beabsichtigt hatte. Nach einer nervenaufreibenden Woche, konnte ich mich wieder ein bisschen erholen und mich neu einleben.

Ganz soccerbegeistert - Meine neue Gastfamilie

Meine neue Gastmutter, Christi, ist sehr fürsorglich und nicht so autoritär wie viele amerikanische Eltern. Mein Gastvater, Jimmy, ist als Rechtsanwalt tätig und hat tatkräftig mitgeholfen, dass der Wechsel überhaupt zustande kam. Er hat noch nachts nach mitteleuropäischer Zeit direkt nach dem Konflikt auf dem Fußballplatz, meinen Papa angerufen und den Wechsel angeboten. Das Haus meiner neuen Gastfamilie liegt direkt in Live Oak, ganz in der Nähe von Schule und Sport. Wir wohnen in einer wohlhabenderen Gegend in einem für hiesige Verhältnisse großen, schönen Haus mit Pool und Teich. Ich habe drei Gastgeschwister: Katie (17), Jenny (16), Tripp (14). Alle sind sehr engagierte Fußballspieler und auch Christi hat sich mit dem Spitznamen "soccermom" völlig identifiziert. Und nicht zu vergessen "Braveheart" der Familienhund. Ich fühle mich total wohl, vor allem weil meine Gastgeschwister mein Alter haben, und weil es jetzt viel einfacher ist, Sport zu machen, Freunde zu treffen etc.. Ich bin ich sehr erleichtert und freue mich auf die verbleibenden sieben Monate in Florida.

Meine Lektion...

Die Lektion, die ich aus der ganzen Sache gelernt habe: Es gibt Situationen, wo man handeln muss, aber die Dinge müssen gut vorbereitet sein, man braucht Vertraute und Berater, vorschnelles Handeln kann ganz schön riskant sein. Insbesondere sollte man im Problemfall immer erst mal bei seinen deutschen Betreuern Rat suchen.

Außerdem: Überall gibt es gute und schlechte Menschen, aber die Spielregeln sind von Land zu Land, von Kultur zu Kultur sehr unterschiedlich. So wird hier das Thema Selbständigkeit von Jugendlichen ganz anders gehandhabt als in Deutschland. Und ein "Auflehnen gegen die Obrigkeit" von einem 16-jährigen Mädchen, das zudem noch Ausländerin ist, geht dann schon mal gar nicht! Was mir aber sehr positiv aufgefallen ist: Es gibt viel mehr Solidarität, Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft als man das in Deutschland wahrnimmt. Vielleicht sind das sogar zwei Seiten einer Münze. Der Zuspruch von meinen Schul- und Sportfreunden war wirklich unglaublich!

An dieser Stelle muss ich mich bei allen, die mir in dieser Situation geholfen haben, ganz, ganz herzlich bedanken.

Thanksgiving und Weihnachten auf amerikanische Art

Thanksgiving habe ich schon mit meiner neuen Familie verbracht. Wir sind nach Jacksonville gefahren, um die Familie zu treffen. Dann hieß es großes Thanksgivingessen mit allem drum und dran. Danach haben wir noch Familienfotos machen lassen und sind alle zusammen ins Kino gegangen, um den neuen James Bond zu sehen. Später gab es dann noch Kuchen, Kaffee und Tratsch. Leider war der Tag dann auch schon vorbei. Ich habe es sehr genossen.

Jetzt sind wir mitten in der Weihnachts-Vorbereitungsphase. Der Christbaum ist schon aufgestellt, auch wenn er unecht ist ( nur deshalb hält er ja so lange:-))) und es liegt schon ein Haufen Geschenke drunter. Trotzdem wird weiterhin wie wild Christmas Shopping betrieben und dekoriert. Diesen Brauch in meiner Familie halte ich für eine tolle Idee: Jedes Familienmitglied bekommt jährlich sein 'Ornament', seinen Weihnachtsbaumanhänger, der sich auf etwas bezieht, was derjenige in dem Jahr erreicht hat. Ich habe von meiner Gastmama ein Fußballtrikot, Schuhe und einen Ball bekommen. Total gute Idee find ich! Und jetzt bin ich erst mal selbst dran zu schenken, was mir dieses Jahr besonders viel Spaß macht, denn es ist interessant, vorsichtig herauszufinden, was jedem aus meiner Familie Freude machen könnte. Au weia, wenn ich an mein Konto denke ..

Übrigens haben sich meine Gasteltern von meinen Eltern eine Kiste mit Rheingauer Riesling gewünscht, denn sie waren schon in dieser Gegend und auch während der Fußball-WM in Deutschland.

Ich freue mich deshalb schon sehr darauf, Weihnachen nach amerikanischer Art zu erleben. Mal was Neues ;-) wobei es auch nicht ganz einfach ist, das erste Mal ohne meine richtige Familie ... Aber ich weiss, dass meine Eltern und Geschwister fest an mich denken.

Aber jetzt kommt erst einmal die Weihnachstzeit, die ich über alles liebe.

Kim

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Dezember 2006: Christmas und New Year in den USA

Schon sind wir im neuen Jahr, die Zeit fliegt...

Mein amerikanischer Dezember war geprägt von Bräuchen, die ich eingeführt oder kennen gelernt habe: Da gab es ja zunächst den bei uns wohlbekannten Adventskalender. Dieser existiert in den USA leider nicht. Meine Gastmama hat sich dann aber ein Buch zugelegt, das die Weihnachtsgeschichte erzählt in Form von Fensterchen, die man Tag für Tag öffnen kann. Abends wurde dann immer das nächste Fenster bzw. der nächste Teil der Geschichte vorgelesen und dazu gab es eine kleine Adventssüßigkeit. Fand ich total lieb von ihr...

Genauso war´s mit Nikolaus: Der kommt nämlich leider nicht bis nach Florida. Doch auch hier hat meine Gastfamilie improvisiert und sich bemüht für mich einen Nikolaus zu zaubern. Wir haben abends am 5. Dezember alle unsere Schuhe ´rausgestellt und morgens"hohoho" war der Nikolaus da ;-). Ich habe ein Silberarmband und Schokolade - sogar Lindt - bekommen, worüber ich mich so gefreut habe, weil die schweizer Schokolade wirklich besser schmeckt als die amerikanische).

Ich konnte mich in dieser Hinsicht übrigens sehr glücklich schätzen, denn kein anderer Austauschschüler hat einen Nikolaus oder Adventskalender bekommen ...

Mit der Zeit ging´s dann natürlich los mit Geschenke-Kauf und Dekorieren. Der Weihnachtsbaum war unecht, aber trotzdem schön - behängt mit Ornamenten und Weihnachtsschmuck, der erklärte, was ein Familienmitglied in diesem Jahr erreicht hat. Eine schöne Tradition meiner Meinung nach, die ich gerne mit meiner Familie in Deutschland fortsetzen möchte.

An Christmas Eve, also Heiligabend, waren wir auf einer Weihnachtsparty von Freunden. Am Morgen des 25.12. war dann Bescherung: Ich habe Klamotten, Gutscheine, Dinge für meinen Ipod und andere Kleinigkeiten bekommen. Ich fand es total toll, dass ich so nett einbezogen und reich beschenkt wurde. Deshalb ist mein erwartetes Heimweh gar nicht so wirklich eingetreten.

Mittags sind wir dann zur Familie nach Jacksonville gefahren. Es gab Truthahn und viel weiteres Essen und noch mehr Geschenke von Gastoma und Opa, Tante, Onkel etc. Und das alles bei hochsommerlichen Temperaturen!!! Richtige Weihnachtsstimmung kam da in mir nicht wirklich auf...

Leider hatten wir vom Fußball-Training nur über Weihnachten frei. Danach ging´s gleich weiter mit Training und Spielen.

Naja und weil die Zeit rast, stand dann auch schon Silvester und Neujahr vor der Tür. Wetter: 25°C und Sonnenschein. Tagsüber waren wir am "Flusshaus" meiner Familie: Super schöne Landschaft am Suwanneeriver... Wir sind dann auf dem Land mit 4-Wheelern herumgefahren und hatten unseren Spaß. Den Silvesterabend habe ich nicht mit der Familie gefeiert. Ich war mit meiner älteren Gastschwester Katie auf einer Neujahrsparty. Allerdings wird das hier nicht so groß wie in Deutschland gefeiert. Kein Feuerwerk, kein countdown, keine stürmischen Umarmungen usw.

War aber trotzdem ein Erlebnis!

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Januar 2007: Der Schulball - Welches ist das richtige Kleid, der Look und das Date?

Nach einem guten Rutsch ins neue Jahr, ist auch schon die Hälfte meines Aufenthaltes hier vorbei... Das neue Semester in der Schule hat angefangen, meine neuen Fächer sind Anatomie, Latein (allerdings online), Amerikanische Geschichte und Chemie. Anatomie ist wirklich sehr interessant - mein Lieblingsfach... Chemie ist anders als in Deutschland, zumal die Amerikaner sich mit dem metrischen System nicht ganz so gut auskennen. Aufgaben im Unterricht wie: "Was ist größer: 3 cm oder 3 m?" sind keine Seltenheit.

Ansonsten bin ich jetzt hier in Live Oak die einzige deutsche Gast-Schülerin, die noch übrig geblieben ist. Viele aus anderen Programmen waren nur für drei Monate da, und einer meiner wirklich guten Freundinnen hier, ist gestern nach Hause geflogen. Sie hatte eigentlich für 10 Monate Aufenthalt bezahlt, hat sich aber aufgrund der Schule entschieden, abzubrechen.

Harte Strafen für Trödler

Es wurde auch eine neue von meinen "heiß geliebten" Regeln eingeführt: Und zwar was das Zuspätkommen der Schüler anbelangt. Das ist hier nämlich ein ziemliches Problem. Schüler, die zu spät zum Unterricht kommen, werden aus der Klasse geschickt und dürfen nicht mehr am Unterricht teilnehmen. Sie sind verpflichtet zu einer so genannten "tardie-hall" zu gehen: ein Raum für Zuspätkommer. Man kann dort allerdings nicht herumsitzen, sondern bekommt einen Berg voll Aufgaben (allerdings nicht die, die man eigentlich in der verpassten Unterrichtsstunde machen würde). Außerdem bekommt man für die verpassten Aufgaben die Note sechs eingetragen. Harte Maßnahme, aber es hilft... Mir ist das zum Glück noch nicht passiert.

Der Schulball – Welches ist das richtige Kleid, der look und das date?

"Prom" steht noch nicht ganz vor der Tür, aber die Vorbereitungen laufen... Der Schulball ist am 24. März. Alle Mädels sind wie wild am "shoppen" auf der Suche nach einem Kleid, am Bräunen im Sonnenstudio und machen Termine aus beim Frisör, Make-up etc. Die Beauty-Salons sind nämlich schon fast alle ausgebucht. Der nächste Punkt, der Boy, das "date": "Aaaah, wen soll ich fragen?" Jeder ist auf der Suche nach seinem "date". Pärchen haben da natürlich ein Problem weniger... Ich persönlich habe noch kein "date", ich hoffe ´mal, ich werde gefragt (im Auge hab´ ich auf jeden Fall schon jemanden ;-))

Wetter und Sport im "Florida-Winter"

Richtig kalt wurde es hier auch nicht. Von mal zu mal gab es ein paar stürmische Tage, aber im Prinzip ist es warm, womit ich persönlich kein Problem habe :-)

Die Fußball-Saison ist auch vorbei. Wir haben bei den Championship-Spielen eines gewonnen und dann leider zwei Spiele verloren, obwohl wir als Favorit ins Rennen gegangen sind. Da war unser Team sehr enttäuscht, zumal es die letzte Chance der Seniors war, also der Mädels, die dieses Jahr ihren Abschluss, ihre "graduation", haben. Wobei man sagen muss, dass die Schiedsrichter nicht ganz fair waren. Da gab´s schon einige fragwürdige Entscheidungen, aber so ist der Sport nun 'mal.

Eine weiße Sprinterin ist lächerlich...

Am Montag fängt für mich dann Leichtathletik an. Ich bin schon sehr gespannt. Eigentlich wollte ich gerne sprinten, aber ich habe mir sagen lassen, dass man Sprinten als Weiße vergessen könne. Kurzstrecke wäre absolut von Schwarzen dominiert und eine weiße Sprinterin sei lächerlich... Ich war doch schon sehr überrascht, als ich das gehört habe. Naja, ich tendiere deshalb nun zum 800 m-Lauf, aber wir werden sehen...

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Februar 2007: Sonne, Wasser und Urlaubsgefühle im Februar in Florida

ES WIRD SOMMER!!! Bei hochsommerlichen Temperaturen, habe ich im Februar die meiste Zeit am Suwannee River beim Sonnen und Baden verbracht. Das Wetter ist absolut traumhaft, da kommt das kleine Ferienhaus am "Suwannee River", dass meine Gastfamilie besitzt, gerade richtig. Mit meinen Gastschwestern bin ich jedes Wochenende dorthin gefahren (man fährt ca. 30 Minuten). Sich auf dem Steg zu sonnen und sich hin und wieder im Wasser abzukühlen, dass ist wie Ferien… Vor allem jetzt, wo man soviel Zeit draußen verbringt, merkt man, wie einzigartig die Landschaft hier ist: viel Wald, alles grünt, viel Wasser...

Der Suwannee River ist ein populärer Fluss für Wassersport und Badespaß hier in der Gegend. Viele Leute haben ihr kleines Häuschen direkt am Wasser - so auch meine Gastfamilie - und ihr eigenes Boot, Jetskis oder Kanus. Wakeboarden und Jetskiing ist vor allem bei den Jugendlichen sehr beliebt. Badegäste kommen allerdings auch nicht zu kurz. Die zahlreichen Quellen, die "springs", und Stillwassergebiete in Flussarmen, sind ideal für Familien, Kleinkinder sowie für Jeden, der sich einfach nur erholen will.

Dieses Jahr ohne Fasching

Fasching gibt es hier in Amerika nicht. Der Ersatz dafür war mehr oder weniger Halloween… Also keine Umzüge, Narren, "Helau" usw. Allerdings habe ich mir sagen lassen, dass wenigstens Ostern gefeiert wird. Der "Easterbunny" kommt zum Glück auch nach Amerika und bringt Ostereier ... Obwohl mir meine Mama schon eine ganze Ladung Lindt-Schokoeier per Post geschickt hat!

Die ersten Tage des zweiten Semesters sind vorüber. Die Examen hab ich erfolgreich hinter mich gebracht, alles mit 1+ bestanden, wobei das nicht so eine große Leistung ist. Die Schule ist hier nach wie vor nicht sehr anspruchsvoll für mich.

Für den Schulball ist nichts zu teuer

Auch der Schulball rückt immer näher. Obwohl das Wetter super ist, um sich im Garten zu sonnen, gehen alle Mädchen ins Sonnenstudio. Das versteh ich nicht, aber ich bin wirklich die einzige, die sich im Garten sonnt. Für den Ball werden die Limousinen geordert, ich bin für eine 12-er Limousine vorgesehen. Eine andere Gruppe hat mit 30 Leuten ein wahnsinnig großes Gefährt für ca. 30.000$ bestellt. Unglaublich... Man sieht am Preis, wie viel Geld die Amerikaner in dieses Ereignis stecken: Limousine, Essen im feinen Restaurant ca. 300 $, Kleid um die 250 $, Schmuck 100 $, Schuhe mindestens 50 $... Das addiert sich zu einer ganz schön großen Summe!

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März 2007: Prom - Der Schulball, das Event des Jahres!

7 Uhr der Wecker klingelt, duschen, 9 Uhr Frisör: Es dauerte ungefähr 3 Stunden, bis wir drei Mädels (meine zwei Gastschwestern und ich) fertig waren. Danach sind wir nach Hause gefahren, hatten ein bisschen Zeit, um uns auszuruhen, aber bald hieß es auch schon schminken, Kleid anziehen und fertig werden für das Fotografieren. Wir haben uns gegenseitig mit dem Make-up und Anziehen geholfen, und waren dann pünktlich um 16 Uhr fertig. Die Leute, die bei uns in der Limousine mitgefahren sind, haben sich zum "Fotoshooting" bei uns am Haus getroffen. Meine Gastmama hat in der Zwischenzeit draußen im Garten einen "Fotobackground" hergerichtet... Die Kameras haben dann auf ordentlich geblitzt, da kam schon ein leichtes "VIP-Gefühl" auf.

Nachdem wir das Fotografieren hinter uns hatten, sind wir alle zur Schule gefahren, wo uns unsere Limousine abgeholt hat: rot und ziemlich luxuriös. Für mich war das meine erste Fahrt in solch’ einem Gefährt, und ich war begeistert. Wir hatten soviel Spaß beim Musik hören, Lachen, mal richtig Albernsein und die Diskobeleuchtung auszuprobieren. Wir fuhren nach Gainsville, eine größere Stadt circa eine Stunde von unserem Wohnort, Live Oak, entfernt. Dort haben wir in einem recht teuren, aber guten Restaurant gegessen. Unsere Limousine hat derweil draußen auf uns gewartet. Doch das Essen ließ ebenfalls auf sich warten. Panik kam auf, da wir zum Ball um 21 Uhr wieder zurück in Live Oak sein mussten. Unser Chauffeur hatte das zum Glück schnell verhandelt. Die Küche hat sich entschuldigt, sich beeilt, und uns einen Nachtisch spendiert. Das war wirklich sehr entgegenkommend und lecker ;-)

Gegen 20 Uhr haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Satt und etwas träge, haben wir die Rückfahrt zum Ausruhen genutzt. Es war ja schließlich gleich "DANCING" angesagt.

Der Ball an sich war fantastisch. Die ganze Turnhalle war wahnsinnig aufwendig geschmückt. Das Motto war "A Walk through Central Park". Es war wirklich überraschend und beeindruckend, wie viel Mühe sich allein für die Dekoration gemacht wurde.

Auch ganz interessant: Bevor man den Saal betrat, musste man erst einen Atemtest der Polizei bestehen... In der Turnhalle wurde schon getanzt und Musik gespielt, kurz darauf wurden "Promking" und "Promqueen" bekannt gegeben. Tische waren rund herum aufgestellt, Snacks und Getränke wurden kostenlos angeboten. Ansonsten wurde eigentlich nur getanzt.

Um Mitternacht war der Spaß aber leider auch schon wieder vorbei. Einige Freunde sind noch mit zu uns nach Hause gekommen. Dort gab es noch mehr Essen ;-)

Ich hatte wirklich sehr viel Spaß!

Stipendien – es gibt zahlreiche Angebote

Da meine ältere Gastschwester im Sommer mit der Highschool fertig ist, und sich für einige Colleges beworben hat, ist mir aufgefallen, dass in den USA zahlreiche Stipendien angeboten werden. Es gibt mehrere Möglichkeiten z. B. über Clubs und Organisationen in der Schule kann man an Stipendien herankommen z. B. über die Jugendarmy, die dann in die Army übergeht oder über Honors student clubs etc.

Es werden aber auch viele einfach angeboten. Man muss sich nur bewerben, sich sozial engagieren und einen guten Notendurchschnitt haben. Oder über den Sport, denn wenn man wirklich gut in einer Sportart ist, bekommt man fast hundertprozentig ein Stipendium eines Colleges, das einen haben möchte.

Wenn man kein 100prozentiges Stipendium kriegt, bekommt man meistens als "Trost" ein Teilstipendium.

Ich fand das schon sehr interessant, weil man sich in Deutschland um Stipendien an guten Universitäten im Ausland reißt...

Die Florida-"Rednecks"

"Redneck" ist hier ein Ausdruck für Leute, die - sag’ ich mal - sehr ländlich sind. Ländlich heißt für hier: Fischen, Jagen, möglichst mit ´nem dreckigen Pick-up ´rumfahren etc. Das ist vor allem bei den Jungs total in!

Väter gehen mit ihren Söhnen oft in ihr Jagdrevier, um Hirsche, Rehe und Truthähne zu schießen. Auch mein Gastvater und mein Bruder, Tripp, sind natürlich begeisterte Jäger und Fischer... Wir haben ein riesiges Jagdrevier am Stadtrand. Vor einiger Zeit hat sich Tripp noch an Eichhörnchen geübt, mit denen er mir dann vor der Nase herumgewedelt hat. Die sind dann alle im Gefrierschrank gelandet. Zuletzt haben wir den Eisschrank ausgemistet. Ist nicht so lecker wenn man dabei ein gefrorenes Eichhörnchen nach dem andern herausfischt. Aber das ist eben hier so Brauch...

Mittlerweile hat Tripp schon Rehe und viele Truthähne erlegt, und zuletzt waren Vater und Sohn beim Hochseefischen auf dem Atlantik!

Getragen werden beim Jagen die traditionellen Camouflage Klamotten (Kleider und Zubehör in Tarnfarben mit Blättern, Bäumen usw. darauf). In dem Muster kann man hier haben: Kappen, Mützen, Jacken, Hosen, Waffen, Autolackierungen... Einfach Alles.

Da sag ich nur: Andere Länder, andere Sitten! ;-)

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April 2007: Springbreak – von Frühjahrsferien in den USA bis zum Amoklauf in Virginia

Anfang April hatten wir Springbreak, eine Woche Ferien vergleichbar mit Osterferien in Deutschland. Ich bin mit meinen Gastschwestern, einer Freundin und meiner Gastmama an den Strand nach "Amelia Island", bei Jacksonville gefahren, während mein Gastpapa und Sohn beim Tiefseefischen auf dem Atlantik waren.

Meine Gastmutter hatte uns ein tolles Häuschen direkt am Strand gemietet. War total super, wir haben die Hintertür aufgemacht und hatten den Strand als Garten. Zwei Minuten durch die Dünen gelaufen und schon war man am Wasser. Mit dem Wetter hatten wir es auch klasse erwischt. Sonnenschein pur. Ich habe den ganzen Tag am Strand sonnengebadet, war schwimmen, joggen und einfach nur relaxen. Meistens hatte ich Gesellschaft von Katie und Alicia. Gastmutter und Jennifer, meine jüngere Gastschwester, waren meistens im Haus. Jeden Sonnenstrahl habe ich ausgenutzt, während meine Familie oftmals lieber im Haus ferngesehen hat, weil es ihnen draußen zu heiß war... Ich bin halt ein Sommermensch ;-)

Am ersten Abend nach der Ankunft sind wir nach Jacksonville gefahren, um uns das Musical "König der Löwen" anzuschauen, das wirklich beeindruckend war. Die Bühnenbilder, Kostüme und das Schauspiel: sehr, sehr gut!!! Danach waren wir noch schick essen und sind nachts an der Strandpromenade entlang spaziert.

Die nächsten Tage waren vom Sonnenbaden bestimmt. Ab und zu sind wir auch mal ins "Städtchen". Es hat mich überrascht, weil das Inseldorf mich an eine europäische Stadt erinnert hat: Die Häuser und Gebäude eng zusammenstehend, kleine Gassen, Geschäfte and den Straßenseiten usw. Das bin ich gar nicht mehr gewöhnt, weil die typische amerikanische Stadt nicht wirklich ein Zentrum hat. Um herumzukommen braucht man sowieso ein Auto und alles ist so weit auseinander gezogen. Von daher hat mir Amelia Island doch sehr gut gefallen.

Den berühmten Sonnenaufgang habe ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen. Um 6:50 Uhr bin ich aufgestanden und zum Strand gelaufen, leider war es etwas bewölkt. Aber die Sonne über dem Meer aufgehen zu sehen war wunderschön...

Der Suwannee-Jam

Ansonsten war diesen Monat noch der Suwannee Jam, das größe Countrymusik Festival des Südens, das ganz in unserer Nähe stattfand. Countrymusic ist eigentlich nicht so ganz meine Musik, aber ich hab mich natürlich sehr offen gezeigt, weil das hier bei den "Rednecks" und "Cowboys" einfach total in ist!

Alle Country-Stars reisten an, um aufzutreten. Auf einer großen Wiese im "Suwannee Music Park" wurden zwei riesige Bühnen aufgebaut für das dreitägige Festival. Tausende von Campern kamen angereist… Wir hatten ein Appartment auf dem Campingplatz gemietet und VIP Gold Eintrittskarten, in denen die Unterkunft, das Essen, reservierte Plätze direkt an der Bühne, Pässe für hinter die Bühne und alles, was man noch so braucht, inklusiv war. Diese Karten waren natürlich nicht sehr billig: Sie hatten einen Wert von 400 Dollar pro Person. Aber mein Gastvater hat eine ganze Menge Freikarten dieser Art, da er das Festival mit gesponsert hat.

US-Amerikaner gehen auch auf einem großen Country-Festival nicht zu Fuß, sondern fahren mit Golfcarts. Hier der von Kim Zeiners Gastfamilie. Die Country Stimmung kam dann auch richtig auf, Mädels mit kurzen Röcken und Cowboystiefeln, Männer mit Cowboyhüten, Lassos usw. Im Gelände war man mit Golfcarts unterwegs, von denen wir zwei hatten. Einen gemieteten und einen von zu Hause mitgebrachten. Das war ein aufgemotzter mit dem Design des Lieblingsfootball-Teams meiner Gastfamilie… Da haben einige große Augen gekriegt ;-)

Ein lustiges Erlebnis: Bier durfte natürlich nicht fehlen, und schon gar nicht in großen Mengen. Ich lief mit Gastschwester Katie die Straße entlang zur VIP Lounge, um zum Abendessen zu gehen, als ein Golfcart mit ziemlich gut gestimmten "Möchte-gern-Cowboys" vorbeifuhr. Einer der "Cowboys" schwang doch tatsächlich sein Lasso und versuchte mich einzufangen! Ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Ja, ja da waren einige doch schon sehr in ihrem Element.

Amoklauf in Virginia

Wie man ja überall im Radio und Fernsehen sehen konnte, lief ein Schüler in Virgina an seinem College Amok. Als das passierte, war ich gerade im Fitnessstudio auf dem Laufband, sah plötzlich die Bilder und den Bericht im Fernsehen - es war schrecklich. Als ich nach Hause kam, hat meine Gastmutter gleich den Fernseher angeschaltet. Es kamen immer neue Informationen. Die Menschen hier waren zutiefst bestürzt und geschockt. In der Schule wurde aber trotzdem nicht viel darüber geredet. Einige Tage später kamen noch Meldungen von anderen Colleges von Trittbrettfahrern, aber ein Glück ist nicht noch mal was derartig Schlimmes passiert.

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Mai 2007: Ascheregen, die älteste Stadt der USA und zuletzt ein Danke schön

Die Biebricher Schülerin Kim Zeiner war im Rahmen des Bundestags-Austauschprogramms in den USA. Sie berichtet von den letzten Tagen in Florida, einem Kurzurlaub in St. Augustine und findet, sie sei durch das Auslandsjahr ein Stück erwachsener geworden.

Waldbrände bedrohten auch benachbarte Orte

Anfang dieses Monats war es hier sehr trocken und heiß. Das perfekte Wetter für Waldbrände, die auch sehr schnell große Teile Floridas in Flammen gesetzt haben... Auch bei uns in der Nähe hat es schlimm gebrannt. Für einige Tage hat es Asche geregnet und man konnte aufgrund von Rauch nicht weiter als 50 Meter sehen. Die Autos waren weiß und bei vielen Leuten traten Atemprobleme auf. Unsere Schule wurde zum Zufluchtsort für Menschen aus den bedrohten Nachbardörfern. Nach einigen Tagen, hat die Feuerwehr dann aber die Brände in den Griff bekommen und die Situation hat sich gebessert.

St. Augustine, die älteste Stadt Amerikas

Meine Gastmutter hat mich für ein Wochenende nach St. Augustine mitgenommen, was ich sehr genossen habe. Die Stadt liegt an der Ostküste in der Nähe von Jacksonville und ist die älteste Stadt der USA. Gegründet wurde sie von dem Spanier Pedro Menéndez. Die Stadt an sich ist hat einen europäischen Flair, zahlreiche Gebäude aus der der spanischen Kolonialzeit sind noch erhalten, zum Beispiel das Fort "Castillo de San Marco". Meine Gastmutter, Gast-Schwester, ihr Freund und ich haben eine Tour durch die Altstadt gemacht. Ich war beeindruckt von wunderschönen Villen unter schattigen Bäumen oder auch vom "Flagler College", einem sehr schön gelegenen und gebautem College. Diese Gebäude stammen aus der Zeit, in der Henry Flagler der Stadt zu Wohlstand verholfen hat.
In den Antikläden kann man auch super einkaufen: Man läuft durch die Gassen, zwischen viel Grün und zahlreichen Cafés und Shops. Den Strand nicht zu vergessen - man hat also alles, was man für einen schönen Urlaub braucht.
Wie gesagt, St. Augustine: ist eine sehr schöne und zum Ferien machen, eine empfehlenswerte romantische Stadt, wie man sie in den USA normalerweise nicht gewöhnt ist... Die typische Stadt hier ist modern, hat keine Geschichte und ist relativ eintönig. Deshalb hat mir der Ausflug sehr gefallen.

Meine Zeit in den USA – dem Erwachsenwerden einen Schritt näher sein

Die Zeit ist verflogen, vor allem jetzt gegen Ende geht es einfach total schnell. Insgesamt gesehen, hat mir das Jahr hier in Amerika sehr, sehr viel gebracht: Da ist die enorme Verbesserung meiner Sprachkenntnisse, die unzähligen neuen Freundschaften, die sich gebildet haben, die Erfahrungen fürs Leben, die man bekommt, wenn man für ein Jahr aus dem "Nest" der Eltern 'raus ist und vieles mehr. Ich denke, dass ich dem Erwachsenwerden einen Schritt näher gekommen bin. Mich hat sehr geprägt, dass ich Probleme ohne großartige Hilfe lösen musste, dass ich von heute auf morgen in ein total neues Umfeld "hineingeschmissen" wurde, und ich für mich selbst verantwortlich war. Dadurch habe ich wirklich viel dazugelernt.

Etwas sehr Positives sind natürlich auch die vielen Kontakte, die ich jetzt hier habe. Ich habe enge Freundschaften geknüpft und wunderbare Menschen kennen gelernt, die sich unheimlich toll um mich gekümmert haben, wenn es mir mal nicht so toll ging, und mit denen ich immer eine Menge Spaß hatte. Ich hoffe, ich werde mit diesen Menschen in Kontakt bleiben.

Danke an meine tolle Gastfamilie

Meine super Gastfamilie muss ich auch noch einmal erwähnen. Eine bessere Familie hätte ich mir nicht wünschen können. Sie haben mir extrem viel geboten, ich habe dazugehört, sie haben mich wie eines von ihren Kindern behandelt und umsorgt. Ich konnte mit meinen Gasteltern über jegliche Probleme, die ich hatte, reden und mir wurde immer geholfen diese zu lösen. Meine Gastgeschwister, die ja alle in meinem Alter waren, haben zu meinen besten Freunden hier gehört. Ich kann gar nicht sagen, wie viel ich meiner Gastfamilie und meinen Freunden danke, dass ich hier so toll aufgenommen wurde. Die Hilfe, Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit, die mir von den meisten Menschen entgegengebracht wurde, war enorm.

Natürlich gab es auch seine negativen Seiten, zum Beispiel das Schulsystem oder mein "Area Represenative", mein Ansprechpartner vor Ort, mit dem ich überhaupt nicht klar kam. Aber insgesamt überwiegt doch das Positive... Deshalb kann ich dieses Jahr Auslandserfahrung nur weiterempfehlen!

Ansonsten wollte ich ja eigentlich noch meinen Congress Abgeordneten Allen Boyd treffen. Leider hat sich das nicht ergeben. Ich hatte einen Termin vereinbart während meines Aufenthalts in Washington DC in zwei Wochen. Doch leider musste ich diesen Termin absagen, da die Gruppe mit anderen Dingen zu beschäftigt sein wird. Nichts desto trotz werden wir Termine mit anderen Abgeordneten sowie Senatoren haben.

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