Frage & Antwort

Bernhard Görgen, 20. März 2009

Als Geschäftsführer der in Wiesbaden ansässigen Veranstaltungstechnikfirma schoko pro GmbH wende ich mich direkt an Sie um aufgrund der großen Dringlichkeit für einen kleineren, aber wichtigen Wirtschaftszweig der Deutschen Medien-, Theater- und Veranstaltungswirtschaft , auf ein Problem aufmerksam zu machen, welches Ihnen bei der Vergabe der Frequenzen an die Mobilfunkbetreiber (siehe Anhang www.heise.de.pdf) wahrscheinlich nicht bekannt war.

Das Problem:

Der vom Kabinett vergebene Frequenzbereich zwischen 790 und 862 MHz liegt entgegen den Aussagen des Bitkom-Präsidenten Scheer nicht "weitgehend brach", sondern in diesem Frequenzspektrum liegen alle drahtlosen Produktionsmittel für die Rundfunkanstalten, Theater (Sprechtheater, Oper, Musical usw.) Veranstaltungstechnikfirmen, Hallen, Messen, Kirchen usw.
Also alle drahtlosen Mikrofone, drahtlosen Kameras, drahtlosen Kopfhörer für Künstler, Bühnen usw.
Deutschland ist hier mit Sennheiser, Beyer Dynamik usw. ein weltweit führender Hersteller. Sennheiser hat für seine Entwicklung des Mikroports sogar einen Grammy verliehen bekommen.

Durch diese Entscheidung werden alle vorhandenen Produktionsmittel mit einem Schlag unbrauchbar und wertlos. Ganz abgesehen davon, dass keine Show, Fernsehsendung, Parteitag, Messe usw. mehr in der gewohnten Weise im auf der Welt üblichen Standard durchgeführt werden kann. Das "Mutterland der drahtlosen Mikrofonie" fällt zurück ins Kabelwirrwarr der frühen 70er Jahre.

Die Industrie, Künstler, deren Verbände und betroffene Anwender haben einen Verein www.apwpt.org gegründet, der auf dieses Problem aufmerksam machen wollte und die Politik darüber informieren wollte, dass im besagten Frequenzbereich entgegen der Aussagen mancher Interessengruppen eben doch sehr viel passiert. In diesem Verein wird versucht, im europäischen Kontext eine Lösung und Einigung zu finden die es ermöglicht, weiter drahtlos zu produzieren und trotzdem Breitbandinternet in einem anderen Bereich zu nutzen bzw. möglich zu machen. Leider ist dieser Verein, in dem alle Betroffenen nur nebenbei ehrenamtlich arbeiten, wohl nicht groß und mächtig genug, um sich ausreichend Gehör zu verschaffen.

Deshalb wende ich mich direkt an Sie mit der Bitte, auf das Problem der drahtlosen Produktionsmittel bei Rundfunk, Fernsehen, Theater, Veranstaltungswirtschaft, Hallen- und Messebetreibern usw. hinzuweisen. Der Verein geht nach Herstellerzahlen, von ca. 700.000 drahtlosen Funkstrecken (Kameras, Mikrofone, Kopfhörer . . .) in Deutschland aus. Auch in unserer Firma sprechen wir von ca. 100 Kanälen mit einem Anschaffungspreis von ca. 5.000,-- € pro Kanal (= 0,5 Mio €).
Ich denke auch Politiker wollen in Interviews, einer Show, oder auf ihrem nächsten Parteitag professionell ausgestattet und versorgt werden. Bitte sorgen Sie mit dafür, dass unsere Branche die Chance dafür!

Helfen Sie uns dabei, die für drahtlose Produktionsmittel notwendigen Frequenzen im Bereich 790 bis 862 MHz weiter störungsfrei nutzen zu können.

Mit freundlichen Grüßen

Bernhard Görgen

Antwort

Sehr geehrter Herr Görgen,

in der Tat hat das Bundeskabinett mit dem Beschluss vom 4. März 2009 über die Änderung der Verordnung zur Zuweisung von Frequenzen an Funkdienste
(Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung) eine Entscheidung getroffen, die die drahtlose professionelle Produktion einschließlich drahtlose Mikrophone betreffen wird. Mit der Verordnung wird u.a. der bisher dem Rundfunkdienst zugewiesene Frequenzbereich 790 – 862 MHz dem Mobilfunkdienst zugewiesen. Diese Zuweisung ermöglicht in einer zweiten Stufe die Vergabe von Frequenzen an Mobilfunkbetreiber. Der Bundesrat muss dieser Verordnung noch zustimmen.

Der aktuelle Hintergrund dieser Frequenzzuweisung ist die Umsetzung der Breitband-Initiative der Bundesregierung, die im Rahmen der Konjunkturmaßnahmen besonders vorangetrieben wird. Die Breitbandversorgung in ländlichen Räumen ist schnell zu verbessern: Bis spätestens Ende 2010 sollen hierfür zunächst die heutigen Lücken in der Breitbandversorgung geschlossen und flächendeckend leistungsfähige Breitbandanschlüsse verfügbar sein. Bis 2014 geht es dann um die Bereitstellung qualitativ stark verbesserter Anschlüsse für 75 Prozent aller Haushalte.
Ziel der Frequenzvergabe ist in diesem Zusammenhang, mobile Breitbandanschlüsse vorrangig in ländlichen Gebieten bereitzustellen.
Die Frequenzteilbereiche 790 - 814 MHz sowie 838 - 862 MHz werden aktuell neben bevorrechtigten Nutzungen auch für Anwendungen der drahtlosen Produktionstechnik (Professional Wireless Microphone Systems (PWMS)) auf sekundärer Basis mit genutzt. Hierbei - und das ist das für die Hersteller und Betreiber von professionellen drahtlosen Mikrophonen natürlich problematisch - genießt diese nachrangige Funkanwendung keine Schutzansprüche auf störungsfreie Nutzung gegenüber den bevorrechtigten Nutzungen.

Die Bundesnetzagentur hat diesen Frequenzteilbereich im Rahmen eines Verwaltungsakts zur Nutzung für die Allgemeinheit den Anwendungen des PWMS zugeteilt. Diese Allgemeinzuteilung ist befristet bis zum 31.12.2015. Bis zum Ablauf dieses Datums kann also drahtlose Mikrofon-Technik weiterhin entsprechend genutzt werden. Allerdings kann ein Schutz vor Beeinträchtigungen durch andere bevorrechtigte Frequenznutzungen nicht gewährleistet werden.

Danach wird eine Verlängerung der Allgemeinzuteilung aus rechtlichen und Gründen der Funkverträglichkeit nicht möglich sein. Eine Verlagerung der
Nutzung in alternative Frequenzbereiche ist folglich unumgänglich.

Die deutsche Frequenzverwaltung hat daher bereits zielgerichtete Initiativen auf nationaler und europäischer Ebene eingeleitet, um schnellstmöglich die neuen Frequenzen für PWM-Systeme verfügbar machen zu können. Im Fokus stehen aktuell neben der weiteren Mit-Nutzungsmöglichkeit des Frequenzbereiches 470 - 790 MHz auf der Basis von Einzelzuteilungen die Frequenzbereiche 1785 - 1800MHz/1805MHz sowie 1452 - 1479,5 MHz, die teilweise bereits verfügbar sind bzw. national und europaweit noch harmonisiert werden müssen. Eine Umstellung der Frequenzen muss noch geprüft werden, die Kosten können - nach den mir vorliegenden Informationen - erst bei einer tatsächlichen Frequenzvergabe konkretisiert werden.

Sehr geehrter Herr Görgen, es ist vollkommen klar, dass für die Sparte der drahtlosen Mikrophone bzw. alle damit zusammenhängenden Bereiche auch nach
2015 weiterhin nutzbare Frequenzen zur Verfügung stehen müssen; die Suche - wie schon geschrieben - läuft.

Ich gehe davon aus, dass hierbei tragfähige Lösungen gefunden werden, denn der Bereich drahtlose professionelle Produktion einschließlich drahtlose
Mikrophone / Veranstaltungstechnik spielt nicht nur für die Politik, sondern auch für viele Bereiche unserer Gesellschaft eine große Rolle.

Ich bedaure, dass ich Ihnen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine konkreteren Angaben machen kann, auch wenn ich dies gerne täte.

Mit freundlichen Grüßen

Kristina Köhler, MdB

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