28.04.2009 | Pressemitteilungen
Rassistische Hetze durch türkischen Generalkonsul?
Anlässlich der gestern bekannt gewordenen Vorwürfe gegen den türkischen Generalkonsul in Düsseldorf, Hakan Kivanc, erklärt die für Extremismus zuständige Berichterstatterin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Kristina Köhler, MdB:
Am 22. Februar 2009 hatte nach Angaben von Vertretern der Initiative Mor Gabriel, die sich für den Erhalt des christlichen Klosters Mor Gabriel in der Türkei einsetzen, ein Gespräch zwischen dem türkischen Generalkonsul von Düsseldorf, Hakan Kivanc, und Unterstützern des Klosters Mor Gabriel stattgefunden. Dabei habe Kivanc gegenüber den Anwesenden geäußert, dass die Deutschen, wenn sie es könnten, allen Menschen aus der Türkei ein „T“ für „Türke“ eintätowieren und mit ihnen das gleiche machen würden, was sie während der Nazizeit getan haben. Die Türkei sei deshalb die einzige Schutzmacht für die Türken (auch in Deutschland). Weiter sei Kivanc fortgefahren: Wenn man den Deutschen die Pulsadernaufschneiden würde, würde braunes Blut fliesen.
Ich verlange eine sofortige Stellungnahme des türkischen Generalkonsuls zu diesem Vorwurf. Sollten die rassistischen Äußerungen so gefallen sein, wie in der Pressemitteilung der Initiative Mor Gabriel berichtet, verlange ich von der Türkei, den Mann umgehend von seinem Posten zu entfernen. Für einen Generalkonsul, der mit einem derart verhetzenden und rassistischen Deutschlandbild hausieren geht, ist in Deutschland kein Platz.
Ich danke den Sprechern der Initiative Mor Gabriel, Herrn Kubilay Demirkaya und Frau Madlen Vartian dafür, dass sie diesen Skandal nun in die Öffentlichkeit gebracht haben. Die Initiative Mor Gabriel und die sie tragenden Vereinigungen haben erneut Mut und Integrität bewiesen.
Denn das ist die andere Seite dieser Geschichte: Migranten wehren sich gegen solche nationalistische Hetze und die Vereinnahmungsversuche aus der Türkei.
Es wird Zeit, dass die deutsche Politik ihnen dabei stärker zur Seite steht.
Bislang 20 Leserbriefe
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Helmut Ruppert am 28.04.2009: (234 Zeichen)
[Mutmaßliche] Rassistische Äußerungen eines hochrangigen türkischen Diplomaten lassen vermuten, dass er teilweise auch von seiner Regierung mit diesen Einstellungen gebrieft wird - und das wäre dann der eigentliche Skandal. [...]
Marc Müller am 28.04.2009: (439 Zeichen)
Ein unglaublicher Vorfall! Vielen Dank, daß Sie und die "Initiative Mor Gabriel" diese [mutmaßlichen] Äußerungen des türkischen Generalkonsuls öffentlich machen!
Für einen solchen Menschen, der eigentlich Brücken bauen, Völker verbinden soll und stattdessen an einer solch exklusiven Stelle seine rassistischen Äußerungen tätigt, ist in Deutschland kein Platz.
Ich unterstütze Ihren Antrag auf Absetzung dieses "Diplomaten".
Parzival v. d. Dräuen am 28.04.2009: (378 Zeichen)
Sollte Hakan Kivanc diese Äußerungen tatsächlich von sich gegeben haben, dann erwarte ich eine angemessene Reaktion der Bundesregierung. Dieser Affront gegen Deutsche ist nur ein weiterer Beleg für rassistische Äußerungen, die nicht nur hier in Deutschland immer häufiger vorkommen, sondern auch reziprok verstärkend auf die Einstellung der türk. Regierung verweisen.
Peter Martin am 28.04.2009: (386 Zeichen)
Mein Erstaunen über dieses [mutmaßlichen] Äußerungen hält sich in Grenzen. [...]
Ich sehe in diesem Fall einen weiteren Beweis dafür, dass weder die Türkei noch antideutsche Türken in der EU einen Platz haben dürfen.
Ich danke Frau Köhler dafür, dass sie das Thema aufgegriffen hat, wo es doch viel opportuner wäre diese [mutmaßliche] unglaubliche Hetze totzuschweigen.
Thomas Glauber am 28.04.2009: (302 Zeichen)
k.Heerdegen am 28.04.2009: (370 Zeichen)
Oliver am 28.04.2009: (538 Zeichen)
Es sind ekelerregende Thesen, die Herr Kivinc mutmaßlich geäueßert hat. Es spricht m.E. jedenfalls nichts dafür, an den Aussagen Demirkayas und Vartians zu zweifeln. [...]. Es steht aber zu befürchten, dass von Seiten der Bundesregierung und hier insbesondere durch das Außenministerium kein nennenswerter Druck auf die türkische Regierung ausgeübt werden wird. Vielmehr wird die Sache "im Sande verlaufen", was nur folgerichtig ist. Wo kein Widerstand zu erwarten ist, treibt die Beliebigkeit der Diffamierung eben ihre Blüten.
Klaus Valentin am 28.04.2009: (315 Zeichen)
Die [mutmaßlichen] Äußerungen des "Diplomaten" spiegelt nur das wider, was nicht wenige türken von uns deutschen halten. Ferngesteuert aus Ankara. Man stelle sich den umgekehrten Fall vor.
Es wird ohne jegliche Konsequenzen bleiben (wird ja nicht mal in den Medien erwähnt).
Und: "Das müssen wir aushalten!"
Gabriele Kleina am 28.04.2009: (2576 Zeichen)
Im Prinzip handelt es sich bei der [mutmaßlichen] Aussage des Herrn Kivanc um eine inländerfeindliche Äusserung, die einer Volksverhetzung gleichkommt, aber sie wird - im Gegensatz zu ausländerfeindlichen Äusserungen - nicht als Straftatbestand der Volksverhetzung bewertet, da die Deutschen in Deutschland lt. § 130 StGB nicht Teil einer Bevölkerung sind. In jedem Fall ist es eine Beleidigung und Verleumdung seitens eines Menschen, in dessen Land noch heute Christen und andere Minderheiten wie Kurden oder Aleviten diskriminiert, schikaniert, inhaftiert und sogar von fanatischen Nationalisten gefoltert und getötet (z.B. Hrant Dink) werden (man lese nur den Jahresbericht 2007 von Amnesty International, aus dem hervorgeht, dass in der Türkei schwerste Menschenrechtsverletzungen stattfinden).
Diese Äusserung stammt ebenso von einem Menschen, in dessen Land der Genozid an Armeniern, Aramäern und Pontos-Griechen stattgefunden hat. Dieser Genozid ist eine historisch belegbare Tatsache und wird von weiten Teilen der Welt anerkannt und geächtet. In der Türkei aber gilt die Nicht-Leugnung als Straftatbestand. Von Aufarbeitung seitens der Türken kann keine Rede sein. Es gibt gar ein Gesetz, das die Nicht-Leugnung unter Strafe stellt. Es gibt weitere Gesetze, die System-Kritikern wie Journalisten, Schriftstellern etc. einen "Maulkorb verpassen" (Beleidigung des Türkentums). Von Demokratie kann ebenfalls hier keine Rede sein, von Meinungs- und Redefreiheit, von Religionsfreiheit und Laizismus schon gar nicht.
[...]
Herr Kivanc sollte vor der eigenen Tür kehren und nie vergessen, dass man Millionen seiner Landsleute hier mit offenen Armen empfangen hat und sie an allem, was unsere moderne Demokratie bietet, partizipieren. Wir leben in Eintracht mit unseren türkischen Mitbürgern und das sollte Herr Kivanc zur Kenntnis nehmen.
Vor allem haben die Deutschen ihre Schuld aufgearbeitet und stehen heute für Antidiskriminierung und Pluralismus, für Demokratie und Menschenrechte, für die Werte, die unser zivilisiertes und fortschrittliches Abendland auszeichnen. Wo aber steht die Türkei? Warum will der türkische Staat ein 1600 Jahre altes aramäisches Kloster enteignen? Die Türken sollten es voller Stolz als ein Kulturdenkmal schützen, sie sollten die Christen, die aramäischen Urchristen - und die Südost-Türkei gehörte einst zu Aram-Nahrin, dem Land der Aramäer, der Urchristen Mesopotamiens -, nicht länger diskriminieren und versuchen, sie durch Assimilation zu entwürdigen.
[...]
Carl-Wolfgang Holzapfel am 28.04.2009: (594 Zeichen)
Sehr geehrte Frau Dr. Köhler,
vielen Dank für Ihr leider nicht mehr übliches Engagement und die deutliche Sprache. In Deutschland werden solche Äußerungen zu Recht als "Volksverhetzung" bezeichnet, abgesehen von der Beleidigung des Gast-gebenden Landes. Niemand zwingt den Generalkonsul, sich weiter in einem so furchtbaren Land aufzuhalten. Die Bundesregierung hingegen sollte unverzüglich die Abberufung verlangen, um weiteren Schaden von dem nach wie vor wichtigen Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei abzuwenden.
Carl-Wolfgang Holzapfel, Vors. Vereinigung 17. Juni 1953
Old Abe am 28.04.2009: (214 Zeichen)
Bravo Frau Dr. Koehler!!
[...]. Hören wir doch besser auf unsere integrierten Türken, die tatsächlich eine Bereicherung für D darstellen und verpassen diesem [mutmaßlichen] Rassisten ein klares STOP. [...]
Johann Georg Gross am 29.04.2009: (424 Zeichen)
C. Schmidt am 29.04.2009: (2021 Zeichen)
Martin am 29.04.2009: (432 Zeichen)
Sheila Winter am 02.05.2009: (123 Zeichen)
Sheila Winter am 02.05.2009: (462 Zeichen)
Andreas Haas am 04.05.2009: (1466 Zeichen)
Sheila Winter am 05.05.2009: (955 Zeichen)
Sehr geehrter Herr Haas,
Herr Kivanc hat sich bereits geäußert. Seine Erklärung ist auch an sämtliche Medien verschickt worden, aber es hat sich kaum jemand dafür interessiert. [...]
Herr Haas, ich weiß sehr gut Bescheid über die Situation der Minderheiten in der Türkei und deshalb weiß ich, dass die Türkei auf einem guten Weg ist. Sie brauchen mir keine Lehrstunde zu geben.
Mir geht es in diesem konkreten Fall darum, dass nachgeforscht werden muss, ob er diese Äußerungen getätigt hat, denn wenn dem so ist, dann müssen Konsequenzen folgen.
Ich finde es skandalös, dass Frau Köhler als MdB, sich echauffiert und lauthals Forderungen stellt, aber scheinbar nicht in der Lage ist, aktiv zu recherchieren bzw. aktiv zeigt, dass sie an einer Aufklärung der Anschuldigungen interessiert ist.
Ich vermute mal, es liegt daran, dass es nicht ganz in ihre Linie passt.
Leider passt das zu meinem Eindruck, den ich von ihr habe.
Gürcan Kökgiran am 07.05.2009: (1969 Zeichen)
Selahattin Toptan am 11.05.2009: (768 Zeichen)