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Wiesbadener Mittelständler sind "Denkfabriken"
· Wahlkreis Wiesbaden · Wirtschaftsstandort Wiesbaden
Zukunftsweisende Technik und innovative Wirtschaftsmodelle made in Wiesbaden: Es gibt eine Reihe kleiner- und mittelständischer Betriebe in Wiesbaden, die Forschungsprojekte betreiben und dafür vom Bundesforschungsministerium finanziell gefördert werden. Zwei dieser "Wiesbadener Denkfabriken" haben die Wiesbadener Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler und der Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Andreas Storm, besucht und sich über deren Projekte informiert. Die Eckelmann AG in Erbenheim und die BC Forschungs- und Verlagsgesellschaft gehören zu diesen innovativen Unternehmen. Sie sind wichtige Arbeitgeber für viele hundert Menschen und Aushängeschilder für Wiesbaden, sagte Köhler zum Auftakt ihrer Besuchsreihe bei forschenden Unternehmen und Institutionen in der hessischen Landeshauptstadt.

Intelligente 3-D-Kameras für störungsfreiere Produktion
Viele maschinengesteuerte Verfahren laufen nur oder störungsfreier ab, wenn sie genauere Informationen über das Objekt haben, das sie bearbeiten sollen. Die bisherigen Kameras konnten nur zweidimensionale Bilder erstellen. Daraus können zwar das menschliche Gehirn nicht aber technische Geräte Informationen über die Tiefe bzw. Entfernung entnehmen. Die Eckelmann AG hat in einem Verbundprojekt, an dem fünf Universitäten und zehn Unternehmen beteiligt sind, eine intelligente Kamera entwickelt, die erstmals zuverlässige, dreidimensionale Bilder in Echtzeit liefert. "Die Kamera ist einfach und robust, breit anwendbar und eröffnet ganz neue Einsatzbereiche", erklärte Dr. Johannes Stelter, Fachbereichsleiter der Eckelmann AG. Ein Beispiel könnten Parkhäuser sein, in denen die Autos von der 3-D-Kamera erfasst und automatisch zu einem passenden Stellplatz gebracht werden. Das spare viel Platz und Geld. Auch in Waschstraßen könnte eine 3-D-Kamera zuverlässige Informationen über das zu reinigende Auto liefern und so bis zu 30 Prozent Wasser und Energie einsparen. Aber auch für Computerspiele, in Sicherheits- oder Controllbereichen oder zur Alltagserleichterung für Behinderte könnten die Kameras eingesetzt werden. Die Projektpartner stellen schon in wenigen Wochen eine Nachfolgekamera mit einer wesentlich stärkeren Auflösung bereit, so Stelter.
Die Kamera sendet Lichtsignale aus, die von einem Objekt unterschiedlich reflektiert werden. Ein Photomischdetektor (PMD-Sensor) empfängt die reflektierten Lichtsignale, die Informationen über Lage, Form und Entfernung des Objekts liefern. Die entschlüsselten Lichtsignale ermöglichen Entfernungen direkt zu "sehen" bzw. darzustellen. Die Eckelmann AG entwickelt im Projekt die Software für den Einsatz der Technik in Industrieanlagen sowie einen Demonstrator (Prototyp), mit dem der industrielle Einsatz der Kamera getestet wird.

Die Technik, die bei dem Projekt genutzt wird, sei zukunftsweisend, erklärte Staatssekretär Storm. Das Projekt verbinde zudem Hochschulforschung und das kreative Potential von mittelständischen Unternehmen. Daher würde es vom Bundesforschungsministerium mit 6,4 Millionen Euro gefördert. Davon fließen rund 265.000 Euro an die Eckelmann AG.
Sichere und wirtschaftlich erfolgreichere Unternehmen
Unternehmen der Gastronomie und Hotellerie stehen besonders stark unter Wettbewerbs- und Innovationsdruck, sagte Oleg Cernavin, Geschäftsführer der BC-Forschungs- und Verlagsgesellschaft. Die vielen Gesetze und Vorschriften würden von vielen als zusätzliche Last und Kostenfaktor angesehen. Viele Unternehmer seien dem Druck nicht gewachsen und würden oft nach kurzer Zeit wieder schließen. BC hat für diese Branche ein Modell entwickelt, das Unternehmern und Mitarbeitern den Zugang zu geltenden Vorschriften erleichtert und ihnen einfache Arbeitshilfen an die Hand gibt. Im Projekt arbeiteten die Firma BC mit dem Branchenverband, der Berufsgenossenschaft und vielen Unternehmen der Branche zusammen. Ergebnis sind ein knapper Leitfaden, der einen Überblick über die Vorschriften gibt, vertiefende Informationen zu zahlreichen Themen und viele Checklisten, die bei der Umsetzung im Alltag helfen. Es gehe um mehr Qualität und Sicherheit im Betrieb als Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Die Herangehensweise, hinter der als wissenschaftliche Methode das Service Engineering stehe, sei auf andere Branchen übertragbar, so Cernavin.
Köhler gefiel, dass die Arbeitsmaterialien Mittel zur Selbsthilfe sind. Außerdem werde die Idee, die hinter den Vorschriften steckt, vermittelt.

Das Forschungsministerium fördere diese personenbezogene Dienstleistungsforschung, weil es wichtig sei Branchen zu ermöglichen, sich auch strukturell an einen rasch ändernden Markt anzupassen, so Storm. Die Gastronomie, die vor allem aus klein- und mittelständischen Betrieben bestünde, sei ein gutes Beispiel dafür. Um deren wirtschaftliches Überleben auch in Zukunft zu sichern, fördere das Ministerium das Projekt mit 950.000 Euro.







