Dr. Kristina Schröder

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Was kommt nach dem Zivildienst? Kristina Schröder stellt ihr Konzept vor

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Auf dem Bundesparteitag der CDU hat Kristina Schröder als für den Zivildienst zuständige Bundesministerin ihr Konzept eines Bundesfreiwilligendienstes vorgestellt. Sie machte deutlich, dass der ersatzlose Wegfall des Zivildienstes gravierende Auswirkungen nicht nur für die soziale Infrastruktur, sondern auch für die Gesellschaft insgesamt hätte. Ihr Ziel sei es deswegen, allen Menschen auch in Zukunft durch gute Rahmenbedingungen die Möglichkeit zu einem freiwilligen Engagement zu geben. Dazu sollen bewährte Strukturen wie das FSJ und das FÖJ erhalten bleiben und durch einen zusätzlichen Bundesfreiwilligendienst ergänzt werden.

Rede

Liebe Delegierte / liebe Freunde,
verehrte Damen und Herren!

Generationen von jungen Männern haben im Zivildienst zum ersten Mal in ihrem Leben die Erfahrung gemacht, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen und für andere da zu sein.

Einer von ihnen hat darüber kürzlich im ZEIT-Magazin geschrieben:

"Ich war 19 Jahre alt und hatte noch nie in meinem Leben gearbeitet, ich hatte nie mit älteren Menschen zu tun gehabt, ich wusste nichts von Krankheit, Schmerzen, Hilflosigkeit, Leid – und auch nichts vom Tod."

Eine "Lehre in Sachen Menschlichkeit und Fürsorge" sei der Zivildienst gewesen, so der Autor, "der erste Realitäts-Check für einen etwas verweichlichten Gymnasiasten".

Dieser "Realitäts-Check", diese "Lehre in Sachen Menschlichkeit und Fürsorge" hat bis heute mehr als zweieinhalb Millionen Männer geprägt.

In Behindertenwerkstätten, Altenheimen, Krankenhäusern, im Rettungsdienst, der ambulanten Pflege, im Umweltschutz in Jugendherbergen, Kindergärten und Schulen für Menschen mit Behinderungen ... kurz: in mehr als 37.000 sozialen und karitativen Einrichtungen haben wohlstandsverwöhnte junge Leute das Leben von einer anderen Seite kennen gelernt.

Gebraucht zu werden, helfen zu können,

  • das macht stolz und demütig zu gleich,
  • das verändert den Blick aufs Leben,
  • das lehrt, Kranken und Schwachen mit Anstand und Respekt zu begegnen.

Die Sozialkompetenzen, die man hier mit bekommt, heißen neudeutsch "soft skills", seit sich herum gesprochen hat, wie wichtig sie auch im Berufsleben sind. Der Zivildienst hat aber nicht nur junge Männer geprägt. Er hat auch unsere Gesellschaft verändert.

Er hat sich über die Jahre zu einem dicht geknüpften Netz der Fürsorge und zu einem tragenden Pfeiler des Zusammenhalts der Generationen entwickelt.

Der ersatzlose Wegfall dieses Engagements hätte deshalb gravierende Auswirkungen nicht nur für die soziale Infrastruktur, sondern auch für unsere Gesellschaft insgesamt.

Wir Christdemokraten sind heute die Einzigen, liebe Freunde, die ohne Wenn und Aber zum Zivildienst stehen und "Danke" sagen:

  • "Danke" an die vielen Einrichtungen, die den Zivis so viel mit gegeben haben für ihr Leben,
  • "Danke" an die Zivis selbst, die sich in oft schwierigen Einsätzen sehr engagiert haben und damit vielen, vielen Menschen geholfen haben.

Und doch war uns immer klar, dass der Zivildienst nicht mehr und nicht weniger ist als Wehrersatzdienst. Das heißt: Wenn die Wehrpflicht ausgesetzt wird, muss am gleichen Tag der Zivildienst ausgesetzt werden.

Natürlich hätte ich mich um des Zivildienstes willen gegen eine Aussetzung der Wehrpflicht wenden können.

Das habe ich nicht getan, und das werde ich nicht tun, denn es wäre falsch.

Wie so viele andere Menschen in unserem Land freue ich mich, dass wir in einer Zeit leben, in der wir die Wehrpflicht nicht mehr benötigen.

Als Zivildienstministerin bin ich ja gewissermaßen die Pazifismusbeauftragte der Bundesregierung! Keine Sorge, Karl-Theodor,
ich bewerbe mich nicht als Abrüstungsministerin!

Aber ich sage ganz eindeutig: Die Wehrpflicht darf und kann nicht um des Zivildienstes willen erhalten bleiben.

Wenn es keine verteidigungspolitische Begründung für die Wehrpflicht mehr gibt, dann gibt es keine Begründung für einen verpflichtenden Zivildienst. Dann müssen wir darüber reden, welche anderen Möglichkeiten es gibt, eine große Zahl von Menschen für das bürgerschaftliche Engagement zu gewinnen.

Wir alle sind uns einig: Es hat noch nie einem jungen Menschen geschadet, sich eine zeitlang für sein Land zu engagieren.

Ich meine deshalb: Wir sollten viel mehr Jugendlichen als bisher die Chance geben, einen Freiwilligendienst zu leisten, wenn wir den Zivildienst aussetzen.

Ein Pflichtdienst für alle – so attraktiv die Idee auf den ersten Blick sein mag – ist aus einer ganzen Reihe von Gründen nicht durchsetzbar.

Wir brauchen eine Alternative, die den Dienst an der Gesellschaft nicht erzwingt, sondern Menschen vom Dienst an der Gesellschaft überzeugt!

Nun hat es in den vergangenen Wochen eine lebhafte Debatte darüber gegeben, wie man dieses Ziel am besten erreichen kann. Ich habe ganz am Anfang dieser Debatte eine bewusste Entscheidung getroffen:

Ich habe mich entschieden, diese Debatte öffentlich zu führen.

Denn die Frage, was nach dem Zivildienst kommt, ist zu wichtig, für die gesamte Gesellschaft, als dass sie nur in politischen Gremien und Expertenrunden diskutiert werden sollte.

Natürlich gibt es am Anfang einer öffentlichen Diskussion noch nicht auf jede Frage eine Antwort.

Aber die Debatte mussten wir führen, und wir haben sie geführt.

  • Wir haben mit allen Beteiligten intensiv nach dem besten Weg gesucht, Risiken und Nebenwirkungen diskutiert und uns vor allem immer wieder gefragt, was vor Ort wichtig ist.
  • Wir haben mit den Ländern gesprochen, mit den Wohlfahrtsverbänden, mit den Trägern des heutigen Freiwilligen Sozialen Jahres und des Freiwilligen Ökologischen Jahres.

Und da allen Beteiligten die Bedeutung dieses Projektes klar war, haben wir gemeinsam ein Konzept entwickelt, das nach meinem Eindruck sowohl in der Sache richtig als auch konsensfähig ist. Wir wollen zum einen die Vielfalt der bestehenden Freiwilligendienste erhalten.

Deshalb werden wir künftig jeden Freiwilligen, jede Freiwillige im FSJ und FÖJ mit Bundesmitteln fördern – und wir werden dabei die Förderpauschale im FSJ fast verdreifachen!

Zum anderen wollen wir ergänzend dazu einen Bundesfreiwilligendienst – also eine Art freiwilligen Zivildienst – einführen, der Männern und Frauen aller Generationen offen stehen soll.

Ein Bundesfreiwilligendienst würde selbstverständlich von den gleichen Einrichtungen durchgeführt werden, die heute schon FSJ und Zivildienst durchführen.

Wir haben ein Modell entwickelt,

  • das jede negative Konkurrenz ausschließt
  • und das gleichzeitig der Finanzierungskompetenz des Bundes Rechnung trägt.

Eine umfassende, eigene Finanzierungskompetenz hat der Bund nämlich nur für einen Freiwilligendienst in Bundesverwaltung.

Unser Modell ist verwaltungsarm und vermeidet Doppelstrukturen.

Gemeinsam mit den Trägern und Verbänden bin ich überzeugt, dass wir mit einem Bundesfreiwilligendienst die Freiwilligendienste insgesamt stärken und ausbauen können – und zwar für nur die Hälfte der Kosten des bisherigen Zivildienstes.

Viele Länder, vor allem diejenigen, in denen die CDU und die CSU in Regierungsverantwortung sind, engagieren sich mit eigenen Programmen, eigenen Ideen und eigenem Geld für die Freiwilligen.

Herr Beck aus Rheinland-Pfalz wollte das alles mit einem Federstrich platt machen und komplett an den Bund übertragen.

Da sagen wir: Nicht mit der CDU!

Ich bin bestimmt nicht zögerlich, aber es ist doch absurd, bis zum nächsten Sommer ein Bundesprogramm auflegen zu wollen – und zwar eines, das sicherstellt, dass das FÖJ im Wattenmeer genauso passgenau funktioniert wie im Bayerischen Wald. Nein, liebe Freunde, so funktioniert es eben nicht!

Wir wollen bewährte und gewachsene Strukturen erhalten und das freiwillige Engagement zusätzlich durch einen Bundesfreiwilligendienst stärken.

Entscheidend für den Erfolg dieser Umstellung wird natürlich sein, wie viele junge Menschen wir für einen Freiwilligendienst gewinnen.

Da gibt es viele gute Ideen: Von Werbekampagnen über die Anrechnung auf Wartesemester bis hin zu Rentenpunkten. Jede einzelne Idee werde ich sehr ernst nehmen und genau prüfen.

Allerdings glaube ich nicht, dass sich besonders viele junge Menschen deshalb engagieren werden, weil ich demnächst im Rahmen einer großen Kampagne von den Plakatwänden dieser Republik lächeln und sie dazu auffordern werde.

Und ich glaube auch nicht, dass 18-jährige mit der Aussicht auf Rentenpunkte zu motivieren sind. Mit 18 hatte ich jedenfalls andere Sorgen! Nein, ich bin überzeugt: Entscheidend ist die persönliche Ansprache vor Ort.

Und weil ich weiß, wie wichtig auch Ihnen das Engagement gerade junger Leute für das Gemeinwohl ist, bitte ich Sie heute herzlich um Ihre Unterstützung, vor allem die ehemaligen Zivis, FSJler und FÖJler!

Erzählen Sie von Ihren Erfahrungen. Teilen Sie Jüngeren mit, was Sie erlebt und was Sie gelernt haben. Machen Sie ihnen klar, wie wichtig und gut so ein Jahr ist!

Sprechen Sie auch mit den Geschäftsführungen der Sozialeinrichtungen in Ihren Kommunen und Kreisen. Wir brauchen deren Kreativität und Eigeninitiative, um junge Leute zu gewinnen:

  • Kein Sozialpraktikum ohne Abschlussgespräch und ohne die Frage "Sehen wir uns in zwei Jahren wieder?".
  • Keine Adventsfeier im Altenheim ohne die Frage: "Haben Sie eigentlich Ihre Enkel schon gefragt, ob sie nicht bei uns einen Freiwilligendienst leisten wollen?"

Und vor allem:

Warten Sie nicht, bis wir die letzte Detailregelung im Bundesgesetzblatt stehen und den letzten Zuwendungsbescheid unterschrieben haben – fangen Sie heute an!

Wir alle sind gefordert, wenn wir die Idee des Zivildienstes erhalten, also möglichst viele Menschen dafür gewinnen wollen, sich Zeit für Verantwortung zu nehmen!

Es entspricht unserem christlich-demokratischen Politik-verständnis, dass wir dabei auf staatlichen Zwang verzichten.

Wir trauen den Menschen zu, sich aus eigener Motivation heraus zu engagieren!

Dafür jedenfalls wollen wir

  • ermutigende Rahmenbedingungen setzen
  • und geeignete Möglichkeiten schaffen.

Reden wir also mit den jungen Menschen! Gewinnen wir sie für die Freiwilligendienste!

Überzeugen wir sie davon, dass es sich lohnt, sagen zu können: "Ich habe gedient!"

Video

Zudem stellte Kristina Schröder den Bundesfreiwilligendienstes auch bei einer Pressekonferenz im Bundesfamilienministerium ausgiebig vor.

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