Dr. Kristina Schröder

Für Wiesbaden in Berlin

Aktuelles
Rede zu der geplanten Fusion der Bayer AG und Monsanto

· Reden und Stellungnahmen · ·

In der heutigen Aktuellen Stunde zu der geplanten Fusion der Bayer AG und Monsanto hat Kristina Schröder im Bundestag gesprochen. Für die Grünen ist das Unternehmen Monsanto das Böse an sich. Kristina Schröder sieht hingegen große Chancen in der Grünen Gentechnik. 2050 werden 10 Milliarden Menschen auf der Welt leben und brauchen Nahrung. Sie hält es für verantwortungslos, aus ideologischen Gründen eine vielversprechende Technologie einfach abzulehnen und entsprechende Unternehmen zu verteufeln.

Mitschrift der Rede

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Worüber reden wir heute?

(Zurufe von der SPD und der LINKEN: Gute Frage!)

Eigentlich darüber, dass ein großes und traditionsreiches deutsches Unternehmen ein amerikanisches Unternehmen übernimmt - ein in der Tat großer Deal, bei dem sich zwei Unternehmen zusammenschließen, deren Portfolio und deren Pipeline sich in hohem Maße ergänzen. Das künftige Unternehmen wird ein deutsches Unternehmen sein und bewegt sich damit im regulatorischen Rahmen der EU und der Bundesrepublik Deutschland. Und diesen Rahmen setzen wir hier als Deutscher Bundestag.

(Beifall bei der CDU/CSU - Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Aber so nüchtern betrachtet die Opposition in diesem Haus das leider nicht.
Im Kern geht es in der heutigen Debatte nämlich nicht um die Übernahme; es geht um Monsanto an sich.

(Karin Binder (DIE LINKE): Genau!
Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE): Um beides!
Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Es geht um die Konzentration bei Saatgut!)

In der Tat kann man sich kritisch mit Monsanto auseinandersetzen. Man kann diskutieren über manche Geschäftsmodelle, über einige Vertragskonditionen, über den Umgang des Unternehmens mit Patenten. Über all das kann man sachlich diskutieren.

(Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Mit einem Monopol können Sie nicht diskutieren!)

Aber was machen Sie, vor allen Dingen Sie von den Grünen?

In einigen Wochen, am 14. Oktober, wird auf dem Platz vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ein Schauprozess inszeniert werden,

(Dr. Philipp Lengsfeld (CDU/CSU): Wahrscheinlich wieder mit unserem Geld!
Dr. Kirsten Tackmann (DIE LINKE): Was hat denn das mit einem Schauprozess zu tun?)

unterstützt von Attac, Greenpeace, manchem dubiosen Wissenschaftler - und von Renate Künast,

(Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Danke, dass Sie mich genannt haben!)

sogenannte Botschafterin dieses selbsternannten Tribunals.

(Zuruf von der CDU/CSU: Die hat überall ihre Finger drin!)

Angeklagt: Monsanto. Und zwar wegen - ich zitiere aus einem Schreiben Renate Künasts - „Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Ökozids“.

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Meine Damen und Herren, Verbrechen gegen die Menschlichkeit! Ökozid! Das ist ein Begriff, der bewusst dem Begriff des Genozids, des Völkermords, nachgebildet ist. Geht es nicht auch eine Nummer kleiner?

(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Wilhelm Priesmeier (SPD))

Was Sie hier machen, das ist keine Diskussion, das ist eine Dämonisierung: eine Dämonisierung eines Unternehmens, eine Dämonisierung einer ganzen Branche, eine Dämonisierung einer ganzen Technologie.

(Beifall bei der CDU/CSU
Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE): IG Farben! Zyklon B!)

Sie unterteilen die Welt ja gern in Gut und Böse: hier die böse Gentechnik, dort die gute Biolandwirtschaft; hier die böse Industrienahrung, dort die guten Ökoprodukte; hier die bösen Lobbyisten, dort die guten Interessenvertreter. Tatsachen lassen sich aber mit einer ideologischen Brille nicht rational erfassen.

(Ralph Lenkert (DIE LINKE): Agent Orange!

Gerade bei neuen Technologien bedarf es einer rationalen Bestandsaufnahme. Bewiesene Risiken multipliziert mit der Eintrittswahrscheinlichkeit müssen abgewogen werden gegen Chancen, die auch wiederum multipliziert werden müssen mit ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit.
(Beifall bei der CDU/CSU - Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE): Wir wollen kein Genfood!)

Das bedeutet für die Grüne Gentechnik nach heutigem Stand der Wissenschaft: Gentechnisch veränderte Pflanzen

(Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE): Wir wollen die aber nicht!)

werden heute weltweit in 20 Ländern von circa 20 Millionen Landwirten angebaut auf über 150 Millionen Hektar Ackerfläche.

(Niema Movassat (DIE LINKE): Schlimm! Ganz schlimm!)

Im Vergleich: Deutschland ist gerade einmal 35 Millionen Hektar groß. In den letzten 25 Jahren haben sich mehr als 500 unabhängige Forscherteams mit Untersuchungen zur biologischen Sicherheit transgener Pflanzen beschäftigt.

(Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE): Wir wollen sie trotzdem nicht essen!)

In keiner dieser Untersuchungen konnten negative Auswirkungen von gentechnisch veränderten Organismen festgestellt werden,

(Beifall bei der CDU/CSU)

auch nicht bei den vieldiskutierten Auskreuzungen.

(Dr. Kirsten Tackmann (DIE LINKE): Das ist Quatsch! Das könnten Sie besser wissen!)

Es gibt aber auf der anderen Seite beachtliche Chancen, etwa durch den Einsatz des sogenannten Genome Editing,

(Zuruf von der LINKEN: An deutschem Wesen soll die Welt genesen, ja?)

der größten methodischen Innovation in der Mikrobiologie seit mehr als 20 Jahren,

(Niema Movassat (DIE LINKE): Haben Sie einen Beratervertrag mit Monsanto unterschrieben?)

die es mit einer nicht gekannten Präzision und Erfolgsaussicht ermöglicht, Pflanzen resistent gegen Krankheiten zu machen,

(Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Es gibt schon resistente Pflanzen!)

Abstoßungsreaktionen bei gespendeten Organen zu vermindern und sogar Antibiotikaresistenzen zu bekämpfen.

(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sind Sie die Pressesprecherin?)

Beachtliche Chancen gibt es aber auch für unsere deutsche Wirtschaft. Es wäre ja ganz schön, wenn es wieder einmal eine Technologie gäbe, bei der Deutschland voranschreitet und sich nicht ängstlich wegduckt.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Beachtliche Chancen gibt es auch für die Bekämpfung von Hunger und Krankheit in der Welt.

(Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE): Stimmt doch gar nicht!)

Der sogenannte Goldene Reis, der mit Vitamin A versetzt ist, könnte jedes Jahr 250 000 bis 500 000 Kinder vor der Erblindung bewahren.

(Dr. Kirsten Tackmann (DIE LINKE): Sind Sie Pressesprecherin von Monsanto?)

Das kann Sie doch nicht kaltlassen.

(Widerspruch bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, 10 Milliarden Menschen werden 2050 auf unserer Welt leben. Um alle Menschen satt zu bekommen, müssen die Landwirte unserer Welt ihren Ertrag nahezu verdoppeln. Hier die Chancen einer vielversprechenden Technologie ohne fundierten Beweis ihrer Schädlichkeit einfach abzulehnen und entsprechende Unternehmen zu verteufeln,

(Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Fragen Sie doch mal die katholischen Bischöfe!)

das ist naiv,

(Sylvia Kotting-Uhl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sie sind naiv!
Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE): Sie sind naiv!)

das ist verantwortungslos, und das ist auch dekadent.

(Beifall bei der CDU/CSU
Dr. Thomas Gambke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Thema verfehlt!)

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