Dr. Kristina Schröder

Direkt gewählte Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Wiesbaden
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

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Mobil, flexibel, familienorientiert - Arbeitnehmer und -geber vor neuen Herausforderungen // 3. Wiesbadener Kamingespräch Kristina Köhlers auf Schloss Freudenberg

· Wahlkreis Wiesbaden · Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Aufgrund des demografischen Wandels und des zunehmenden Mangels an Fachkräften ist eine familienfreundliche Kultur für Unternehmen längst zu einem Erfolgsfaktor geworden. Aber die Umsetzung in praktische Personalpolitik ist in vielen Unternehmen mangelhaft. Über die Ursachen und nötigen Rahmenbedingungen diskutierte Kristina Köhler mit ihren Podiumsgästen, Andreas Becker, Geschäftsführer von Ephy Mess in Wiesbaden, und dem Unternehmensberater Marcus Schmitz aus Köln sowie ihren Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Wiesbadens. Dabei wurde ihnen nicht nur aufgrund des prasselnden Kaminfeuers warm. Die lockere und dennoch kontroverse Diskussion sorgte gleichermaßen für manches Schmunzeln und manches erhitzte Gemüt. Mit dem Abend setzt Kristina Köhler ihre Veranstaltungsreihe zu strittigen gesellschaftspolitischen Themen im phantasievollen und gemütlichen Ambiente Schloss Freudenbergs fort.

Viele Unternehmen wissen, wie wichtig eine familienfreundliche Personalpolitik für die Motivation und die Gewinnung von Mitarbeitern ist. Die Instrumente seien auch oft vorhanden, nur würden sie nicht genutzt, zitierte Kristina Köhler die Ergebnisse der aktuellen Studie „Profit und Familienfreundlichkeit“ in hessischen Unternehmen. Sie fragte den Autor der Studie, den Kölner Unternehmensberater Marcus Schmitz nach den Ursachen: Die Probleme durch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf würden von vielen Unternehmen immer noch als Privatsache gesehen. Das klassische Rollenverständnis trage dann noch dazu bei, dass Väter, die in Elternzeit gingen, missachtet würden. Gerade Führungskräfte und das mittlere Management würden daher nur familienfreundliche Instrumente in Anspruch zu nehmen, die nicht auffallen. Viele Unternehmen, die keine familienfreundliche Personalpolitik betrieben, hätten Probleme, Fachkräfte zu rekrutieren. Dies sei eine Frage der Zukunftssicherung und Profitabilität eines Unternehmens, so Schmitz.

Familienfreundlichkeit sei auch eine Frage der gelebten Unternehmenskultur, so die einhellige Meinung Schmitz und Beckers: Vorgesetzte hätten Vorbildfunktion. Ein Unternehmen könne auch einmal Ausfälle von Eltern durch Betreuung oder Pflege von Angehörigen auffangen, solange das Klima stimme. Wenn eine Gesellschaft immer weniger Kinder hervorbringe, sinke automatisch die Wertigkeit der Familie in der Gesellschaft. Dann sei auch eine Vorbildfunktion kaum noch möglich, sagte Becker.

Die Diskussionsteilnehmer mahnten unter anderem an, Familienfreundlichkeit nicht nur auf Kinderbetreuung, sondern auch auf die pflegebedürftige Angehörige zu beziehen. In vielen Familien müssten beide Elternteile aus wirtschaftlichen Gründen arbeiten. Daher wurde auch gefordert, die Politik müsse Infrastruktur für Familien verbessern und bezahlbar gestalten.

Kristina Köhler nahm dies auf und gab zu bedenken, die Poltik könne nur die Rahmenbedingungen den sich verändernden Gesellschaftsprozessen anpassen. Dem Einzelnen und dem einzelnen Unternehmer müsse die Entscheidung über die Nutzung der Instrumente überlassen bleiben. Diese Entscheidungen beträfen verschiedenste Bereiche von der Abkehr von Gruppenzwängen wie Karriere nur durch Überstunden bis hin zur Einstellung älterer Arbeitnehmer mit reichlich Berufserfahrung.

Die Diskussion ergab außerdem, dass Großkonzerne sowie sehr kleine Betriebe sich mit familienfreundlicher Personalpolitik schwer tun: Die einen weil sie oft die kurzfristige Rendite im Blick haben, die anderen, weil der Ausfall eines Mitarbeiters kaum aufgefangen werden könne. Mittelständische Unternehmen könnten am flexibelsten reagieren. Daher seien keine Pauschalempfehlungen möglich. Individuelle Lösungsansätze und die Kommunikation familienfreundlicher Instrumente und -kultur im Betrieb seien gefragt, fasste Köhler die Diskussion zusammen.

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