Dr. Kristina Schröder

Direkt gewählte Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Wiesbaden
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

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Am 6. Dezember veröffentlichte die taz einen tendenziösen Artikel zu einer Pressemitteilung der Bundestagsabgeordneten Kristina Köhler und des Bundesvorsitzenden der Lesben und Schwulen in der Union, Roland Heintze. Hierzu schrieb Kristina Köhler einen Leserbrief an die taz.

Sehr geehrte Damen und Herren der taz-Redaktion,

zu Ihrem Artikel "Dampfraumpolizei?" vom 6.12.2005, möchte ich Folgendes klarstellen:

1. Weder die Lesben- und Schwulen in der Union (LSU) noch ich haben gefordert, ungeschützten Geschlechtsverkehr unter Homosexuellen zu bestrafen.

2. Auch in Österreich wird nicht das Barebacking verboten, sondern die fahrlässige (§ 179 ÖStGB) und die vorsätzliche (§ 178 ÖStGB) Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten.

3. Den Fahrlässigkeitstraftatbestand habe ich in meiner Pressemitteilung nicht angesprochen. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass die vorsätzliche Gefährdung von Menschen mit einer übertragbaren Handlung in anderen europäischen Ländern - etwa Österreich - als gemeingefährliche strafbare Handlung gewertet wird.

4. Ich habe mich nicht, wie Sie schreiben, gegenüber der LSU erbarmt, sondern die Pressemitteilung gemeinsam und gleichberechtigt mit dem Bundesvorsitzenden der LSU herausgegeben. Hintergrund war und ist, dass es in der homosexuellen Szene selbst eine Diskussion darüber gibt, ob das Anpreisen von ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit sowohl HIV-positiven als auch HIV-negativen Männern in Internetforen, auf Veranstaltungen und in Sexclubs nicht verantwortungslos und unsolidarisch ist. Wenn solche "Partys" explizit damit beworben werden, dass man hier mit seinem Leben "Russisch Roulette" spielen kann, dann mag das Ihrem Redakteur gefallen und er mag seine Witzchen über "IM Präser" reißen. Mir ist dabei weniger zum Lachen zumute.

5. Was Sie "kontraproduktive Panikmache" und als "Hochjazzen zur Schwulenseuche" bezeichnen, sieht in der Realität so aus: DS Robert-Koch-Institut konstatiert in seinem neuesten Bulletin vom 25. November 2005 eine deutliche Zunahme der HIV-Infektionen seit dem Jahr 2000. Im Jahr 2005 gab es rund 2.600 Neuinfektionen in Deutschland, davon waren rund 2.200 Männer. Insgesamt schätzt das RKI, dass rund 70 Prozent der Neuinfektionen durch homosexuelle Kontakte geschahen; begründet wird dies mit einer Veränderung im sexuellen Risikoverhalten. Ist es nicht viel eher kontraproduktiv, diese Gefahren zu verharmlosen?

Akzeptieren Sie endlich, dass Schwulsein keine politische Einstellung ist, sondern Ausdruck privater Lebensführung. Seien Sie kritisch, seien Sie ruhig links. Aber missbrauchen Sie nicht die schwule Community für politische Propaganda.

Mit freundlichen Grüßen,

Kommentare

  • Marco Bender

    Liebe Frau Köhler,
    so wie es mir scheint, haben Sie Ihre eigene Pressemitteilung nicht verstanden. Vieleicht sind es auch die Leser, die einfach nicht kapieren wollen was "ein schärferes Vorgehen gegen die so genannte Barebacking-Szene" ist, bzw. den Teil übersprungen haben müssen, indem Sie auf "die fahrlässige (§ 179 ÖStGB) und die vorsätzliche (§ 178 ÖStGB) Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten" hinweisen. Irgendwie kommt in Ihrer kompletten Pressemitteilung niemals das Wort "Heterosexuell" vor. Auch nicht durch Umschreibungen. Wie können wir also wissen, dass Sie das gemeint haben?
    Ich frage mich (und ich denke die Homo-Community tut dies ebenfalls), was Sie eigentlich erreichen wollten mit dieser Pressemitteilung? Wen wollen Sie erreichen? Die Homosexuellen können es nicht sein - die haben Sie ja wieder einmal zutiefst verärgert. Auch die Zusammenarbeit mit dem LSU-Vorstand (im übrigen immer noch aktueller Träger des Queer.de Anti-Preises "Homo-Gurke") kann ernstgemeinter Versuch sein, sich bei den Homos anzubiedern.
    Lassen Sie die Themen der Homo-Szene doch einfach in der Homo-Szene. Unterstellen Sie der TAZ bitte nicht, sie würde die schwule Community für politische Propaganda nutzen - sie ist eins der wenigen Medien, die die schwule Community überhaupt unterstützt (und nicht wie sie in den Rücken fällt).
    "Akzeptieren Sie endlich, dass Schwulsein keine politische Einstellung ist, sondern Ausdruck privater Lebensführung."
    Diese Worte aus Ihrem Mund. tz, tz, tz.

    am 12.12.2005 geschrieben

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