Dr. Kristina Schröder

Für Wiesbaden in Berlin

Aktuelles
Jugendkriminalität durch Migranten. Eine ehrliche Bestandsaufnahme

· Reden und Stellungnahmen · ·

Es gibt Themen, die bewegen die Menschen in Wiesbaden und überall in Deutschland und die werden trotzdem von den Medien und von der Bundespolitik kaum oder nur extrem zurückhaltend betrachtet. Dazu gehört auch das Problem der Gewaltkriminalität durch junge Migranten. Kristina Köhler mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme, jenseits von Verharmlosung und Hysterie.

Es gibt Themen in der deutschen Innenpolitik, die werden in Berlin und in den Medien bis zur Erschöpfung diskutiert obwohl sie für die Menschen im alltäglichen Leben nur geringe Bedeutung haben. Und es gibt Themen, die bewegen die Menschen in Wiesbaden und überall in Deutschland und die werden trotzdem von den Medien und von der Bundespolitik kaum oder nur extrem zurückhaltend betrachtet. Das Problem der Gewaltkriminalität durch junge Migranten gehört eindeutig zu letzterer Gruppe.

Dies hat natürlich seine Gründe. Denn leider ist die Diskussion über die Jugendgewalt durch Migranten prädestiniert dazu, von interessierter Seite politisch missbraucht zu werden. Die linken Parteien lassen eine ernsthafte Diskussion gar nicht zu und verharmlosen das Thema wo sie nur können, während rechtsextreme Parteien und Gruppierungen der Öffentlichkeit suggerieren, die Gewalt liege insbesondere bei türkischen Jugendlichen quasi in den Genen und sei alleine ethnisch motiviert. Beides hat mit seriöser Forschung und mit Politik nichts zu tun. Die Linken haben Angst davor, dass ihr einfaches Weltbild "die bösen Deutschen und die guten Migranten" angekratzt wird. Und rechtsextreme Gruppierungen verbreiten aus den umgekehrten Gründen ihren rassistischen Müll (das muss man so sagen).

Bei einer ehrlichen Bestandsaufnahme freilich ist das Thema viel komplexer und vielschichtiger. Es sind hier drei Fragen zu stellen: Erstens, sind bestimmte, nach dem ethnischen Hintergrund definierbare Jugendgruppen tatsächlich gewaltgeneigter als andere? Zweitens, wenn dem so ist, was sind dafür die Ursachen? Und drittens, wo sind Lösungsansätze?

Zur ersten Frage: Tatsächlich gibt es bestimmte sich selber ethnisch abgrenzende Jugendgruppen, die eine klar höhere Gewaltgeneigtheit und eine signifikant höhere Gewaltkriminalitätsbelastung haben. Dabei stechen vor allem männliche türkische Jugendliche hervor. Neueste Zahlen zu diesem Thema kursieren etwa bereits beim LKA Berlin. Demnach ist der Anteil von Tatverdächtigen nichtdeutscher Herkunft in vielen Bezirken Berlins bereits bei über 80 Prozent. Bei den Vielfachtätern sehen die Zahlen noch dramatischer aus. Die Wissenschaft bestätigt diese besonders hohen Delinquenzraten für so genannte "personale Gewalt", also insbesondere Körperverletzungen. So etwa die neue von der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlichte fachwissenschaftliche Analyse des renommierten Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachen (KFN). Ihr folgend haben etwa 13,6 Prozent der deutschen Jugendlichen, jedoch 27,0 Prozent der türkischen Jugendlichen in den letzten 12 Monaten (die Befragung stammt von 2005) personale Gewalt begangen.

Natürlich müssen wir dabei auch über die Ursachen sprechen. Richtig ist, dass die Delinquenzraten für türkische Jugendliche insofern schlecht mit den Zahlen deutscher Jugendlicher vergleichbar sind, als türkische Jugendliche in der Regel höheren Gefährdungsfaktoren ausgesetzt sind, die die auch bei deutschen Jugendliche zu einer erhöhten Gewaltgeneigtheit führen: Sie haben viel häufiger in einer schlechten sozialen Lage, haben keinen oder nur einen niedrigen Schulabschluss und erleben häufiger innerfamiliäre Gewalt. Richtig ist jedoch auch: Wenn man diese Faktoren alle statistisch herausberechnet, gibt es zwar bei den Mädchen keinen relevanten Unterschied, bei den Jungen hingegen schrumpft zwar der Unterschied, es bleibt trotzdem noch bei einer deutlich höheren Gewaltbelastung. "Dies bedeutet, dass die strukturelle Schlechterstellung der Migranten nicht die Hauptursache für deren Höherbelastung darstellt. Selbst wenn man berücksichtigt, dass Migranten auch häufiger elterliche Gewalt erleben, bleibt ein signifikanter Gruppenunterschied bestehen.", so die genannte KFN- Studie. Eingeebnet wird der Unterschied demnach erst, "wenn zusätzlich das kulturelle Moment, das heißt die Zustimmung zu Männlichkeitsnormen einbezogen wird."

In den so genannten "Männlichkeitsnormen" scheint also ein Grund für die gravierenden Unterschiede in der Gewaltgeneigtheit zu liegen. In diesem Zusammenhang spricht die Wissenschaft auch von einer "Kultur der Ehre", die man aber wohl eher als eine Unkultur bezeichnen muss (genauso wenig wie Ehrenmorde etwas mit "Ehre" zu tun haben). Es geht dabei darum, wie schnell und in welchem Umfang Gewalt als Lösungsstrategie für Konflikte eingesetzt wird und wie oft "ein richtiger Mann" einen anderen Verprügeln muss um in der Gruppe anerkannt zu werden. In einer vom Bundesinnenministerium herausgegeben umfangreichen Forschung wird noch ein anderer, damit zusammenhängender Faktor genannt, nämlich der Zusammenhang zwischen religiöser Orientierung und Gewaltbefürwortung. Ein heikles Feld, in dem man sehr differenziert argumentieren sollte. Laut der Studie wäre es jedenfalls falsch zu behaupten: "Je stärker die religiöse Bindung an den Islam, desto eher wird Gewalt befürwortet". Richtig sei jedoch, dass der Islam keinen Schutzfaktor mit Blick auf Gewalteneinstellung darstelle, wie es etwa bei christlichen Jugendlichen heutzutage zu beobachten sei. In einem islamischen Umfeld würden bestimmten Ehrauffassungen, insbesondere den bereits bekannten gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen besonders stark zugestimmt, obwohl es diese Normen freilich auch außerhalb eines islamischen Kontextes gäbe.

Es ist also schwer zu sagen: Die höhere Gewaltbelastung insbesondere türkischer Jugendlicher liegt ganz klar an diesem oder an jenem Faktor. Klar ist jedoch, dass alleine der Verweis auf soziale Unterschiede nicht ausreicht, sondern eben auch kulturelle Prägungen eine Rolle spielen, insbesondere die "Kultur der Ehre", die im islamischen Kontext eine besonders hohe Zustimmung erfährt.

Wie nun damit umgehen? Zunächst: Es gilt natürlich nicht nur die Gewalt durch türkischstämmige Jugendliche zu bekämpfen, sondern die Jugendgewalt an sich. Deshalb spielt die Verbesserung der sozialen Lage natürlich auch hier eine zentrale Rolle. Hier steht die Schaffung von Rahmenbedingungen für neue Arbeitsplätze auf Platz eins und hier ist die Bundesregierung offensichtlich auf einem sehr guten Weg. Aber dies alleine wird nicht ausreichen. Deshalb sollte eines endlich gelernt werden: Die Nachsichtigkeit der Justiz auch Mehrfachtätern gegenüber ist völlig kontraproduktiv. Wer sich vor über Normen von Stärke und Schwäche definiert, der nimmt einen schwachen Staat nicht ernst. Einen anderen wichtigen Schritt zur Eindämmung der Macho-Kultur haben wir bereits unternommen: Auf unsere Initiative hin wird das Nachzugsalter für Ehefrauen (und -gatten) auf 18 Jahre erhöht. Damit sind der Zwangsheirat neue Riegel vorgeschoben und von der "Macho-Kultur" beeinflusste Lebensstil der Importbräute - die ja oft nichts anderes kennen und auch in Deutschland nichts anderes kennen lernen dürfen - kann nicht mehr ohne weiteres an die nächste Generation weitergegeben werden.

Die Gewalt durch Jugendliche insbesondere mit türkischem aber auch mit arabischem Migrationshintergrund ist real und kann nicht einfach wegdiskutiert werden. Und es ist auch an der Zeit in diesem Zusammenhang mal ehrlich über den grassierenden Rassismus der von bestimmten jugendlichen Migranten ausgeht zu diskutieren. Auch darum geht es. Denn zu Recht wird etwa der Rechtsextremismus - obwohl seine Gewalttaten auch in der Regel von Jugendlichen begangen werden - nicht alleine unter dem Aspekt "Jugendkriminalität" diskutiert. Diese Debatte wird zu führen sein und ich werde sie in Berlin führen. Das Gute dabei: Wenn wir den Kampf gegen den Rassismus umfassend führen, werden die Rechtsextremen kaum applaudieren können. Und die Angriffe die von Links kommen werden sind ohnehin immer die Selben und daher berechenbar...

Ich hoffe auf Ihre Unterstützung,

Ihre Kristina Köhler

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