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Durch Talent€ zur Elite?
· Wahlkreis Wiesbaden · Bildung und Betreuung
Eine Wissens- und Informationsgesellschaft wie Deutschland braucht besonders intelligente und talentierte Menschen. Darüber besteht weitgehend Konsens. Über die Art und Weise der Eliteförderung erhitzen sich aber die Gemüter. Denn sie kostet Geld - sei es den Staat, oder sei es die künftige Elite selbst. Kristina Köhlers Gesprächspartner waren Julia Friedrichs, Autorin des kritischen Bestsellers "Gestatten: Elite", und der Rektor der privaten European Business School, Prof. Dr. Christopher Jahns. Zusammen mit den Gästen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft Wiesbadens diskutierte das Podium angeregt darüber, welche Voraussetzungen zur Eliteförderung nötig sind, wie die Auswahl der Geförderten sozial gerecht stattfinden kann, ob Eliten abgehoben sind, oder ob vor allem Neid ein Motiv der Kritik an Eliten ist. Auch die Erwartungen von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik an eine Elite war Thema des Abends. Die Veranstaltung fand wieder im stimmungsvollen Ambiente des Kaminzimmers auf Schloss Freudenberg in Wiesbaden statt.

Welche Maßstäbe legen wir an, um besonders Leistungsfähige zu definieren, fragte Köhler zur Einstimmung. Für Matthias Schenk, Leiter des Erfahrungsfeldes auf Schloss Freudenberg, sind diejenigen Elite, die etwas aus ihren Fähigkeiten machen. Daher gehörten auch Schwerstbehinderte, die ihre Aufgaben im Leben finden und erfüllen, zur Elite. Julia Friedrichs kritisiert die Unbstimmtheit des Begriffs und möchte ihn daher eher mit Leistungsträger oder Vorbild übersetzen. Sie kritisiere nicht, dass es eine besondere Förderung von besonders Leistungsfähigen gibt, sondern vor allem, dass die Auswahl nicht stärker durch Intelligenz und Leistung, sondern vorwiegend durch Kapitalkraft stattfinde. Ihrer Erfahrung nach sei Elite für viele junge Menschen aus wohlhabenden Elternhaus ein Status, den sie von Geburt an haben. Friedrichs wünscht sich mehr Unterstützung des Staates für sozial Schwache, die dadurch Zugang zur Eliteförderung erhalten könnten.

Prof. Jahns unterstrich, dass unsere Gesellschaft eine gute Ausbildung Vieler brauche, aber auch eine sehr gute Ausbildung für besonders Leistungsfähige. Die EBS ziehe im Gegensatz zu vielen anderen "Eliteschmieden" auch das soziale Engagement als Auswahlkriterium für seine Studenten heran und fördere dies während des Studiums. Damit auch sozial Schwächere die Chance hätten, an der EBS zu studieren, baue er zur Zeit das Stipendienwesen an der EBS aus und richte einen Bildungsfond ein. In diesen sollen Stipendiaten nach dem Studium ihre erlassenen Studiengebühren zurückzahlen. Er wünschte sich zur Anschubfinanzierung auch öffentliche Gelder und insgesamt mehr gesellschaftliche Anerkennung und Unterstützung für den Leistungsgedanken. Letzteres konnten alle Teilnehmer mittragen.







