Dr. Kristina Schröder

Direkt gewählte Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Wiesbaden
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

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Contergan-Geschädigte sollen doppelt so viel Rente erhalten

· Wahlkreis Wiesbaden

Die Bundestagsfraktionen von Union und SPD haben sich darauf geeinigt, die Entschädigungsrenten für die rund 2.700 Conterganopfer in Deutschland zu verdoppeln und den Etat hierfür um 15 Millionen Euro zu erhöhen. Je nach Schwere der Schädigung erhalten die Betroffen derzeit zwischen 121 Euro und 545 Euro monatlich. Diese Beträge sollen ab dem 1. Juli 2008 auf 242 und auf bis zu 1.090 Euro erhöht werden. Der Gesetzentwurf zur ersten Änderung des Conterganstiftungsgesetzes wird heute im Bundestag in erster Lesung beraten. "Die heute rund 50-jährigen Contergan-Geschädigten leiden zunehmend unter Spätfolgen ihrer Schädigung, die durch jahrzehntelange Fehlbelastungen von Muskeln und Skelett entstanden sind", sagte die Wiesbadener Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler. "Körperliche Beeinträchtigungen, Gelenkveränderungen oder Schmerzen können soziale oder psychische Probleme zur Folge haben und bei Berufstätigen zu Frühverrentung mit erheblichen finanziellen Einbußen führen." Erschwerend komme hinzu, dass auch Familienangehörige älter werden, die bislang unterstützen und helfen konnten. Mit zunehmendem Alter sind Geschädigte daher stärker auf außerhäusliche Hilfe angewiesen.

Köhler wird die Gesetzesinitiative unterstützen, weil sie die Verdoppelung der monatlichen Renten für angemessen hält: "Ich achte sehr die enorme Lebensleistung der Contergan-Geschädigten, die sich in bewundernswerter Weise ihren Platz in Gesellschaft und Beruf erkämpft haben. Zudem können die zunehmenden körperlichen, psychischen und finanziellen Belastungen weder durch Leistungen der Conterganstiftung noch der Sozialgesetze ausreichend abgefangen werden."

Der Fall "Contergan"

Das bis 1961 rezeptfrei erhältliche Schlafmittel Contergan mit dem Wirkstoff Thalidomid der Firma Grünenthal löste einen der größten Medizinskandale aus. Weltweit kamen 10.000 Kinder zum Teil schwer fehl gebildet zur Welt. Die meisten Opfer gab es in Deutschland. Die Kinder wurden mit Missbildungen im Bereich der Arme und Beine, Ohren, Augen und inneren Organen geboren. Dabei konnte ein strenger Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Einnahme und der Art der Missbildungen festgestellt werden.

Aus den Mitteln einer 1971 errichteten Stiftung, in die neben der Verursacherfirma Grünenthal auch der Bund Zahlungen leistete, wurden Entschädigungsrenten an die Opfer gezahlt. Da die Mittel der Stiftung seit 1997 aufgebraucht sind, erfolgen die Zahlungen seitdem vollständig aus Bundesmitteln.

Die Stiftung unterstützt auch Projekte der Behindertenarbeit allgemein.

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